Mittwoch, 20. September 2017

Ausstellung "Aussichten", Kulturverein Zehntscheuer Rottenburg

Oje, in den letzten zwei Wochen gab es so viel zu tun, so dass ich doch tatsächlich völlig vergessen habe hier die Eröffnung der Ausstellung "Aussichten", die bereits am 16. 09., in der Zehntscheuer in Rottenburg statt gefunden hat, anzukündigen! Es gibt viel zu schauen, denn außer meinen Bildern aus der Serie "Auf der Strecke", zeigen Hannelore Fehse aus Weggingen, auf der Alb und Johanna Jakowlev aus Stuttgart ihre Werke. Ich freue mich, mich in so guter Gesellschaft zu befinden.

Einige liebe Freundinnen und Freunde sind meiner Einladung allerdings über Facebook gefolgt. Es war mir eine riesengroße Freude euch dabei zu haben und von euch so viel Unterstützung erfahren zu haben. Danke nochmals für euer Kommen, aber auch ganz besonders dem meines Bruder aus Hagen, der sich auf sein Moppet :-geschwungen hat, um mir mit seinem Erscheinen eine wunderbare Überraschung zu bereiten!

Überhaupt war es ein absolut gelungener und schöner Abend, den wir in kleinerer Runde im nahegelegenen "BistroRant"genussvoll haben ausklingen lassen. Danke auch nochmals an die Organisator*innen vom Kulturverein Zehntscheuer, Frau Stolting, Bobby Baur und Frau Wendel. Solch professionelle und gelungene Zusammenarbeit habe ich selten erlebt. Ganz lieben Dank auch an Dagmar Waizenegger, der Leiterin des Kulturamts der Universitätsstadt Tübingen, für ihre begeisternde und mitreißende Rede. Mehrere Besucher haben mir anschließend bestätigt, dass sie sich sehr gut mitgenommen gefühlt und die Bilder sich durch die einfühlsame Einführung noch besonders eröffnet haben.

Die Ausstellung ist noch bis zum 12. November 2017 zu sehen und selbstverständlich freue ich mich über weitere zahlreiche Besucher.





Samstag, 9. September 2017

Die höchste Eisenbahn!!!

Seit mehr als vier Wochen schon wimmelt mir ein ganzes Nest von Ohrwürmern im Hirn! Da muss ich tatsächlich soooo alt werden, um letztlich doch noch Liedern mit deutschen Texten zum Opfer zu fallen? Aber was für Texte und was für Musik! Die Jungs von "Die Höchste Eisenbahn" haben mich völlig im Griff und ich mag derzeit nichts anderes mehr hören, bis ich die überraschenden, intelligenten und oft auch surrealen Texte mit der dazugehörigen Musik auswendig kann, um eifrig mitzusingen.


Entdeckt habe ich die "Höchste Eisenbahn"    zufällig, im Deutschlandfunk Kultur. Der Sender spielte während eines Interviews den Song "Schau in den Lauf Hase" ein und ich bekam gleich ganz große Ohren :-

Und dann war da noch meine wiedergefundene Freundin aus Kindertagen, die ich in meiner Heimatstadt besuchen wollte. Ich hatte erfahren, dass sie Jägerin ist und bestellte die CD als Geschenk für sie. Wenn ich damit auch nicht ihren Geschmack treffen sollte, würde zumindest der Titel passen!






Aber es dauerte noch eine Weile, bis ich das zweite Lied "Nicht Atmen" im Radio hörte und fortan alle Songs der Band inhalierte. Ja, so war das. Rainer konnte ich jedenfalls schon mit dem Eisenbahnfieber anstecken ;-)))

Ich denke, die Mitglieder der Band werden nichts dagegen haben, wenn ich hier mal Werbung für ihre Musik, ihre Videos und ihre Webseite mache.

Ich würde mich freuen, wenn ihr einen Kommentar hinterlasst, um zu erfahren, ob meine Begeisterung euch mitreißen kann!


Die höchste Eisenbahn spielt übrigens am 17. November 2017, um 20 Uhr, in der Liederhalle in Stuttgart. Ich habe natürlich schon Karten bestellt ;-

                                          



Donnerstag, 7. September 2017

Jeden Tag ein Blatt

Mein Malkoffer, den ich für die Reise gepackt hatte, strotzte nur so von Farben, Pinseln, Skizzenbüchern und allem was dazu gehört. Wie immer, hatte ich mir viel vorgenommen und bin dann doch der Sonne, der Umgebung, der Entspanntheit, der Lust einfach nur da zu sein, erlegen.

Das ist gut so, denn Pausen sind wichtig. Pausen sind eigentlich gar keine Pausen, denn in ihnen wird beobachtet, gespeichert, überlegt, fantasiert und darüber nachgedacht, was auch immer mit Bildern und dem Bildermachen zu tun hat.

Zum Glück befand sich auch ein 10 x 15 cm kleines Skizzenbüchlein im Gepäck, dass sich als ständiger Begleiter entpuppte und in dem ich (fast) jeden Tag schnelle Eindrücke festgehalten habe. So wurde daraus ein Tagebuch mit, zumindest für mich, intensiven Erinnerungen.

Hier ein paar Kostproben -











Rhoneschleife von Ozon aus betrachtet



Freitag, 1. September 2017

Bad Boy - die Biografie von Eric Fischl


Fast drei Wochen Sonne und Freiheit liegen nun hinter mir, die Ferien sind zu Ende und die ersten Aufgaben stehen auf dem Plan. Auch darauf freue ich mich!

Während ich die Ferienzeit ausgiebig zum Erholen, Erleben und für das süße "Nichtstun" gekostet habe, fand ich endlich die Zeit Eric Fischl's Biografie zu lesen, die schon seit Anfang des Jahres unberührt auf meinem Tisch lag.

Der Titel "Bad Boy" nimmt Bezug auf das Bild, das zur Ikone seiner beginnenden Karriere als Maler geworden ist und damit auf die Bilder, die den amerikanischen Mittelstand, die Gesellschaft der Suburbs mit all ihrer Doppelmoral charakterisieren. Damals muss das eine schockierende Tat gewesen sein, zumal die Kunstwelt jener Jahre jegliche gegenständliche und figurative Malerei ablehnte und ganz auf Konzeptkunst oder den abstrakten Expressionismus ausgerichtet war.

Aber Fischl ist ein Maler durch und durch, der seine Botschaft selber auch lebt. Also nahm er den unbequemen Weg und kämpfte für und um seine Malerei. Es ist spannend zu lesen, wie er von einem jungen Mann, der relativ spät seine Begeisterung für die Malerei entdeckt, zum New Yorker Shooting Star wird und wie sein Stern, aufgrund der politischen Entwicklungen und den damit verbundenen gesellschaftlichen Verstrickungen, schon bald wieder auf "normale" Höhen herabsinkt.

Er beschreibt in seinem Buch seine traumatische Kindheits- und Familiengeschichte, mit denen er sich letztlich, in verallgemeinerter Form, in seinen Bildern auseinandersetzt und die seine künstlerischen Themen sozusagen hervorgebracht haben. Fischl beschreibt die repressive Haltung der gesellschaftlichen Strukturen, beginnend in den 60er Jahren, bis hin zum Anfang des neuen Jahrtausends in Amerika.

Er reflektiert Kunst und den sich verändernden Kunstmarkt, sowie die Wahrnehmung seiner eigenen Position in dieser Kunstwelt. Eric Fischl offenbart die Schwierigkeiten auf seinem Weg eine eigene malerische Sprache für sein Lebensthema zu finden - der Mensch in seinen gesellschaftlichen Zwängen, in seinen psychologischen Beziehungen zu anderen - und lässt uns teilhaben an seinen künstlerischen Experimenten, Entdeckungen und dem Beschreiten für ihn neuer Wege.

Das Buch ist für mich in jeder Hinsicht hochspannend zu lesen gewesen, da ich selbst in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts meine ersten Erfahrungen in der Welt des Kunstmarktes in Berlin gewinnen konnte und die im Buch beschriebenen Mechanismen der Kunstwelt, am Rande selbst kennen gelernt habe. Dabei muss ich gestehen, dass ich wohl nie dermaßen vom Ehrgeiz besessen war und auch vom Kunstmarkt nicht so überzeugt wie Meister Fischl, um mich in diese Schlacht stürzen zu wollen. Wie auch immer, jeder muss seinen eigenen Weg finden, um sich und seine Kunst zu leben.

Wer tiefer einsteigen will in die Phänomene des Kunstmachens und des Kunstmarktes findet in diesem Buch auf jeden Fall Antworten, auch auf die Frage, wie heute Kunstgeschichte gemacht wird. Ohne einen Maler wie Eric Fischl hätte es wahrscheinlich keine Berliner Jungen Wilden und keine Neue Leipziger Schule gegeben. Eric Fischl's Werk ist für mich ein Meilenstein der Malerei und seine Bilder bleiben frisch, provokativ und irritierend.

Wer mehr über diesen Ausnahmekünstler erfahren möchte, hier geht es zu einigen Videointerviews:
http://www.ericfischl.com/media/


Donnerstag, 31. August 2017

Ausstellungseröffnung "Begegnungen mit Ugge"

Es ist eine sehr gelungene Schau,
die am Donnerstag, dem 09. September, um 19 Uhr, in der Kulturhalle in Tübingen eröffnet wird.

Zu Ehren von Ugge Bärtle, dem Gründungsmitglied des Künstlerbund Tübingen und bedeutenden Bildhauer und Zeichner der Stadt, der in diesem Jahr 110 Jahre alt geworden wäre, haben sich die Universitätsstadt Tübingen, das Ugge Bärtle Museum und der Künstlerbund Tübingen zu einer Kooperation zusammen gefunden und diese umfassende Ausstellung mit Werken den Ugge Bärtles im Zentrum, und neuen dazu korrespondierenden Arbeiten einiger Künstlerbund Mitglieder, zusammengefunden.

Ich freue mich über viele interessierte Gäste!


Mittwoch, 9. August 2017

Maggie Hambling, The Sound of The See - für Ines ;-

Eine große Künstlerin, die in Deutschland wahrscheinlich noch wenig bekannt ist: Maggie Hambling! Auf YouTube gibt es einige beeindruckende Interviews mit ihr, unter anderen dieses über ihre "Seestücke":


Sonntag, 6. August 2017

Wayne Thiebaud, ein weiser alter Maler

Wundervoll! Voll Einfachheit und Wahrheit! Und doch so schwer zu erreichen. Wayne Thiebaud hat viel verstanden.


Mittwoch, 2. August 2017

Ferien

Der Endspurt in die Ferien war anstrengend und schön zugleich. Ab dem kommenden Samstag habe ich dann gute drei Wochen lang absolut keine Termine mehr. Das heißt einfach mal nur da sein, ohne Pflichten, ohne Aufgaben, ohne Rolle, großartig!

Daher seid nicht allzu enttäuscht, wenn meine Posts bis Ende August ausbleiben, oder nur spärlich erscheinen :-

Ich euch allen einen wunderschönen Sommer, bleibt gesund und munter, eure Carola

Farbe neu entdecken

Die Farbe bedeutet für mich die Grundlage der Malerei, sie bestimmt in erster Linie die Aussage des Inhalts, erst an zweiter Stelle kommt der Gegenstand. Vielleicht war der Gegenstand, bzw. das Motiv für mich bisher auch nur der Anlass, um mit Farben umzugehen, wobei ich mich seit meines Studiums an der UdK, damals HdK Berlin, hauptsächlich auf mein individuelles Farbempfinden verlassen habe. Wir waren ja alle so genial, dass wir uns um Theorien nicht groß kümmern mussten :-

Das Mischen feinster Farbnuancen ist mir dabei immer schon eine Lust gewesen und ich kann behaupten jeden Ton, und sei er noch so differenziert, intuitiv treffen zu können.

Seit einiger Zeit begegnen mir, bei meinen gelegentlichen Stöbereien im Internet, Künstler die sich systematischer mit Farben auseinandersetzen. Das hat mein Interesse geweckt und mich einige spannende Videos entdecken lassen.

Das Video des amerikanischen Malers Mark Carder finde ich besonders empfehlenswert. Er zeigt darin, wie er komplexe Farbnuancen auf methodische Weise erzielt:



Etwas Geduld muss man dabei aufbringen, da sein Video in Echtzeit abläuft ;- Auf jeden Fall ist es den Versuch wert, seine Methode einmal selbst auszuprobieren.

Montag, 24. Juli 2017

Kunstzeitung Editorial 632

Es wird allerorten viel geschrieben über die Kunst und den Kunstmarkt, mehr oder weniger tendenziös, aber auf die Kunstzeitung möchte ich wirklich nicht verzichten! Die Artikel sind informativ, unabhängig, kritisch, oft erhellend und immer im Sinne der Kunst und nicht im Sinne des Marktes geschrieben. Zwei Dinge, die Künstler*innen und Kunstinteressierte voneinander zu trennen wissen sollten.

Sehr empfehlenswert für alle, die noch daran glauben, dass ein bedeutendes Kunstwerk auch an einem bedeutenden Preis zu erkennen ist, ist das Editorial zur 632 sten Ausgabe der Zeitung, in dem Karl-Heinz Schmid über den Zustand des aktuellen Kunstmarktes berichtet! Hier der direkte Link zu dem Artikel:
http://lindinger-schmid.de/informationsdienst-kunst/
(evtl. auf der Seite etwas weiter herunter scrollen)

Übrigens liegt die aktuelle Ausgabe der Kunstzeitung jeden Monat kostenlos in der Galerie des Tübinger Künstlerbunds, zur Abholung bereit. Ich bin oft am Donnerstagnachmittag, zu den Öffnungszeiten zwischen 15 und 18 Uhr dort anzutreffen und freue mich immer über freundliche und interessierte Besucher unserer Ausstellungen.


Donnerstag, 20. Juli 2017

Bildschmerzen

Kürzlich machte ich einen Besuch in der Crona Klinik in Tübingen und stieß in einem stark frequentierten Wartebereich erfreulicherweise auf zwei eindrucksvolle Bilder von Gerda Brodbeck, aus den Jahren 1989, ca. 4 x 4 m groß. Solch sensible und dennoch wuchtige Gemälde erzeugen natürlich Wirkung bei mir und vermitteln mir darüber hinaus etwas Vertrautes in fremder Umgebung.

Beim Nähertreten hätte ich allerdings weinen mögen! Abgesehen von Dellen und Abschürfungen, befanden sich am unteren Rahmen große Risse in der Leinwand. Wozu, fragte ich mich, kauft die Klinik für einen sicherlich recht hohen Betrag wundervolle Kunstwerke und geht dann damit um, als seien es beliebige Einrichtungsgegenstände, die ersetzbar sind? Hätte da nicht auch noch eine kleine Sicherheitsvorrichtung drin sein müssen, um sie vor Beschädigungen durch der Transport der Betten in den Fluren zu schützen? Wann werden die Bilder dermaßen zerstört sein, dass sie womöglich noch auf dem Müll landen? Ein beschädigtes Bild kann seine Wirkung nicht mehr entfalten, da die Schäden sich in den Vordergrund drängen und den Gesamteindruck stören.







Sicherlich, Leib und Leben der Patienten gehen selbstverständlich vor, dennoch frage ich mich, ob die Gleichgültigkeit den Bildern gegenüber nicht auch etwas darüber aussagt, wie mit den Menschen verfahren wird. Ins Krankenhaus geht man in der Regel ja durchaus, weil es Beschädigungen des Körpers gibt, die dort möglichst geheilt werden sollen. Ist es daher für die Heilenden nicht notwendig die Sinne in alle Richtungen zu schärfen, um erfolgreich zu sein? Zu solch einem umfassend geschulten Arzt und ein solches Personal hätte ich bei Weitem mehr Vertrauen. Aber vielleicht sehe ich das zu wenig pragmatisch?

Ich nehme mir jetzt vor die Klinikleitung zu kontaktieren und auf diese Bilder anzusprechen. Vielleicht kann ich ja eine Restaurierung und entsprechenden Schutz anregen. Über das Ergebnis werde ich hier berichten.

Samstag, 15. Juli 2017

Uncreative Writing

Heute schon wieder! Das Thema, das ich vor wenigen Tagen in meinem Post "Vorbilder" angerissen habe, scheint tatsächlich ziemlich aktuell zu sein. Vorhin hörte ich zufällig im Deutschlandfunk Kultur, in der Sendung Breitband, ein Interview mit dem New Yorker Dichter und Literaturprofessor Kenneth Goldsmith 

unter dem Titel: Uncreative Writing, "Eine Hymne an das Plagiat und die Replikation"

Insofern für mich interessant, weil er meine Ansicht, die ich mit dem Satz "Kunst kommt von Kunst" so lapidar definiere, mit reflektierteren Gedanken erweitert. Seine Theorie beschränkt sich zwar auf das Schreiben - und ich finde es bei weitem nicht unkreativ, was er da tut oder lehrt - sie lässt sich aber auch locker auf jede andere Kunstform übertragen.

Letztlich geht es im Kern um den Geniebegriff, an den unsere Kultur doch immer noch so gerne glauben möchte, fast wie an ein religiöses, Mensch gewordenes Wunder. Wenn ich an das Geniale glauben kann, muss der Mensch, also auch ich, doch etwas Besonderes sein, oder?

Aber gerade heute, strömen dermaßen viele und oft ununterscheidbare Ideen und Gedanke auf jeden ein, dass diese Gedanken- und Ideenwelt wie eine große Energie in jedem gespeichert wird. Ich finde mich in vielen Dingen wieder und empfinde mich als Teil des Ganzen. Und ich finde das großartig! Was ich dann selbst damit anfange, was daraus entsteht beruht immer noch auf meinen eigens getroffenen Entscheidungen. Hoffe ich doch ;-)

Freitag, 14. Juli 2017

Studie

Ich habe die Ölkreiden wiederentdeckt, was mich dazu animiert damit kleine Studien anzufertigen.


23,5 x 30,5 cm

Donnerstag, 13. Juli 2017

Authentizität

Darum geht es doch beim Malen und Zeichnen, oder? Ich will Bilder machen, die mir etwas über mich und die Welt um mich herum erzählen. Ohne Schnickschnack und Gefälligkeiten. Das ist nicht so einfach, denn schließlich geht es um nichts weniger als die Wahrheit, die ans Licht kommen soll, worin auch immer sie bestehen mag.

Nun ist die Wahrheit, die ich selbst nur ahnen, bzw. interpretieren kann, eben nicht immer schön oder angenehm. Und es scheint von Vorteil zu sein, mir eine gewisse Distanz zu bewahren, um ein halbwegs echtes, authentisches Ergebnis zu bekommen. Bloß keine Selbstverliebtheit! Das fällt nach 40 Jahren Malerei inzwischen schon leichter.

Dabei bleibe ich gerne stur, denn ich will mich dem Bild nicht unterordnen. Ich fechte das Ergebnis so lange aus, bis sich etwas zeigt, dass bis dahin nicht greifbar war, die Bestätigung einer Ahnung vielleicht. Etwas, dass der dargestellte Gegenstand über sich selbst hinaus repräsentiert. Dieser Prozess kann schon mal zwei Jahre dauern, aber Zeit spielt ja nicht wirklich eine Rolle, oder nur insofern, als sie ohne mein bewusstes Zutun wirksam ist. Wie beruhigend.



Mittwoch, 12. Juli 2017

BR2 - Ich bin ein Kopist

Ich höre gerne. Und ich höre sehr gerne Podcasts. Und es ist ein schöner Zufall, dass ich heute den Podcast von BR2 "Nachtstudio" mit dem Titel "Ich bin ein Kopist" entdeckt habe, der auf sehr unterhaltsame und erhellende Weise das Thema aufgreift, dass ich in meinem vorhergehenden Post "Vorbilder" ganz rudimentär aufgegriffen habe.

Hier ist der Link zur Sendung zum Nachhören, ich wünsche viel Vergnügen ;-

Ich bin ein Kopist

Montag, 10. Juli 2017

Vorbilder

Die Begeisterung für die Kunst hat für mich damit begonnen, dass ich Bilder entdeckt habe, die einen tiefen Eindruck hinterlassen haben. Ich wollte mehr davon, denn eine wunderbare Welt tat sich für mich auf, als ich ungefähr 10 oder 11 Jahre alt war.

Geweckt wurde mein Interesse nicht etwa im Elternhaus oder in der Schule, sondern das Fernsehen war für mich damals das Tor zur Welt. In den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts nahm das Deutsche Fernsehen seinen Bildungsauftrag noch sehr ernst. Es gab, neben Furie und Flipper, moderne Kunst zu sehen, z.B. die automatischen Zeichnungen und Malereien von Wols, ein seitdem von mir verehrter Künstler. Es gab kritisches Theater, Brechts "Kreidekreis", den ich damals zwar kaum verstand, der mich aber intuitiv fesselte und Jazz! Regelmäßig habe ich eingeschaltet, wenn Leonhard Fethers die Größen der amerikanischen Musik vorstellte. Das Fernsehen war die Rettung für mich, denn in meiner Heimatstadt Altena war damals bezüglich Kunst und Kultur Land unter.

Ich will aber eigentlich auf etwas anderes hinaus, auf Vorbilder! Ohne diese Begeisterung für Werke anderer Künstlerinnen und Künstler, können keine eigenen Bilder entstehen.

Oft beginne ich meinen Unterricht mit Besprechungen der Werke berühmter, aber auch wenig bekannter Künstler und bin immer wieder überrascht, dass sich oft mehr oder weniger deutliche Hinweise zu anderen Werken und Künstlern darin finden lassen. Ich denke, so entsteht Kunst, durch Speichern und Übertragen dessen, was den eigenen Vorstellungen nahe kommt, was der Persönlichkeit, dem Temperament und der Absicht einer Künstlerin, eines Künstlers entspricht. Das hat nichts mit Kopieren oder Nachahmen zu tun. Was ich meine, ist eher ein Fortschreiben mit eigenen Mitteln, die Entwicklung eines Konglomerats aus Gesehenem, Gelerntem und Eigenem, woraus sich das Neue ergibt.

Picasso soll sich viele Ideen bei Besuchen in den Ateliers seine Künstlerkollegen geholt haben. Der Begriff "stehlen" trifft es für mich nicht, denn es geht um Inspiration und die ergibt sich oft im Betrachten von Kunstwerken. Ob eine Ausstellung gut ist, messe ich manchmal daran, wie sehr es mich anschließend drängt, selbst im Atelier zu arbeiten. Wenn die Lust, gleich den Stift oder den Pinsel in die Hand zu nehmen, unbändig ist, war es eine hervorragende Ausstellung! 

Wer selber malen oder zeichnen will, sollte unbedingt Kunst betrachten. Ohne diese Anregungen ergeben sich kaum Vorstellungen über die Möglichkeiten, die anschließend selbst erfahren und entwickelt werden können. Kunst kommt von Kunst, das Können ergibt sich später.

Skizze: Licht auf dem Tübinger Stadtfriedhof, Kohlezeichnung, Juli 2017

Kein Vergleich! Vielleicht eine Verbindung....

Caspar David Friedrich




Mittwoch, 5. Juli 2017

Malerei ist anders als Kunst

Vor einigen Jahren sagte ich einmal zu einem Künstler, dass ich glaube, dass Malerei nichts mit Kunst zu tun hat. Klingt merkwürdig? Ist es aber im Grunde nicht, denn die Malerei hat die Fähigkeit, sich über ihr eigenes Medium selbst darzustellen. Vielleicht vergleichbar mit der Musik, bei der die Töne sich zu einem Ganzen formen und letztlich darüber eine Wirkung erzeugen, die mit nichts vergleichbar ist.

Später war ich erstaunt, dass David Hockney das, was ich mit meinem unbeholfenen Satz meinte, in einem Interview in eigenen Worten ähnlich ausdrückte. Er sagte: "Ich bin Maler. Ich mache Bilder, das ist etwas anderes als Kunst." Ich wusste sofort, was er damit meinte. Bilder transportieren nicht nur die Atmosphäre, oder die Gegenstände, die durch die Malerei sichtbar werden sondern sie präsentieren auch die Malerei selbst. Die Art wie der Pinsel geführt wird, wie die Farben miteinander korrespondieren, wie sich Licht und Schatten bilden, das lässt sich, unabhängig vom Inhalt des Bildes, auch rein sinnlich wahrnehmen und aufnehmen.

Für mich ist die Malerei eine besondere Sprache, deren Worte immer wieder neu formuliert und gesucht werden müssen. Man kann einen Gegenstand mit Bedeutung füllen und ihn z.B. in einer Installation präsentieren, wo er eine bestimmte Geschichte oder Funktion repräsentiert. Auch das ist selbstverständlich eine Art Sprache. Ich empfinde sie allerdings als beliebiger, austauschbarer, auch intellektueller, weil Ideen oder in gewisser Weise manchmal auch Logik im Vordergrund stehen.

Was mir bei solchen "Distanztechniken" fehlt ist die Spur, die die Hand hinterlässt. Die Spur zeigt doch immer einen Ausschnitt von Zeit und gelebtes Leben. Jeder Pinselstrich bedeutet eine sichtbare Entscheidung, die getroffen worden ist. Und aus vielen Entscheidungen, die sich im Malprozesses summieren, formuliert sich das Bild, dass die Wahrnehmung dessen wiedergibt, was der/die Maler*in transportieren möchte. Die Hand, manchmal auch der ganze Körper, ist ganz entscheidend hierfür, es ist das Werkzeug, das die größte Nähe herstellt. Das kann keine Kamera leisten, deren technischen Möglichkeiten u.a. von der Leistung des Apparates abhängig ist.

Es gibt natürlich großartige Fotografien, Videoinstallationen etc. Aber als Kunstform begreife ich die Malerei als ein Medium, dass den Menschen in den Vordergrund stellt auch, wenn das Bild ungegenständlich sein mag. Deshalb bin ich süchtig nach Stiften und Pinseln, sie sind die Schlüssel zu meinen Bildern, die mir meine Existenz beweisen.



Donnerstag, 29. Juni 2017

Nonsuch Records

Diese neue Entdeckung möchte ich euch meine heutige Entdeckung nicht vorenthalten:

Nonsuch - Records


Ihr findet dort Musikvideos als Appetizer, die ihr in keinen Charts findet!

Ich will hier zwar keinen Werbeblog betreiben, aber ausnahmsweise sage ich jetzt mal:
die Künstler*innen freuen sich bestimmt über eine Anerkennung durch den Kauf ihrer Musik - muss aber natürlich nicht  ;-

Mittwoch, 28. Juni 2017

Schafft die Kuratoren ab!

Stefan Heidenreich traut sich! Er sagt mit klaren Worten, warum es der Kunst, allem Anschein zum Trotz, heutzutage doch nicht so gut geht und warum das u. a. so ist. Sein Artikel spricht mir aus dem Herzen, denn jede*r Künstler*in, ob berühmt oder nicht hat es schon erlebt, die Ohnmacht einer geheimen Jury gegenüber, die den Bewerbern als objektiv und unparteiisch verkauft wird ... Die Insider glauben sowieso nicht daran, sie wissen, es wird gemauschelt und geschachert, von Objektivität keine Spur.

Viele Künstler*innen bewerben sich nur noch um Ausstellungen oder Preise, wenn sie mit mindestens einem Jurymitglied bekannt sind. Künstler*innen die sich für ein Leben außerhalb der Metropolen entschieden haben, haben wahrscheinlich gar keine Chance.

Ich kann den Artikel aus Copyrightgründen hier nicht posten, aber wen er interessiert, kommt über diesen Link an ihn heran:

Schafft die Kuratoren ab!

aus der Zeit Nr. 26, 2017


Und für alle die Gefallen finden an der kritischen Kunstkritik, gleich noch ein Artikel desselben Autors zur aktuellen documenta:

Im Tempel der Selbstgerechtigkeit

aus der Zeit Nr. 25, 2017

Dienstag, 27. Juni 2017

Endlich geht es weiter

mit der Arbeit im Atelier! Ich staune selbst, dass ich auch nach längerer Malpause nur den Pinsel in die Hand nehmen muss und los geht's! Das ist ein sehr beruhigendes Gefühl.




Zwischenbilanz - noch nicht ganz fertig!




Donnerstag, 22. Juni 2017

Cityscapes - die Stadt in der Malerei

Unter meinen, über viele Jahre gesammelten Kunstbüchern und Katalogen, befindet sich auch der Band zur Ausstellung "Stadtbilder. Berlin in der Malerei vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart".
Erstaunlich wie konstant das Thema in der Kunst bis heute geblieben ist.

Die fortwährende Aktualität lässt sich aber nicht nur an der Vielzahl von Ausstellungen und deren dazugehörigen Kompendien ablesen, heute bieten zahlreiche Internetplattformen, wie z.B. Pinterest, Flickr oder Instagram, weit mehr Einsichten in die gemalten Welten städtischen Lebens, als jemals zuvor.

Kürzlich habe ich auf einem dieser Wege den mir zuvor nicht bekannten, in England aber sehr geschätzten Maler George Shaw gefunden, von dessen Werken ich spontan begeistert war und dem ich mich sehr verwandt fühle. Auf YouTube äußert sich der Künstler in einem kurzen Video sehr sympathisch zu seiner Arbeit. George Shaw war 2011 Turner Preisträger.




Ich selbst suche seit meinem Studium an der Universität der Künste, Berlin, Mitte der 80er Jahre, die Unmittelbarkeit der Dinge in meiner Umgebung. Dabei spielte auch immer das Thema Stadt, Architektur eine Rolle. Was mich dazu veranlasst, demnächst die Bilder, die ich aus der Zeit noch besitze, einmal wieder vom Dachboden zu holen und mit meiner heutigen Auffassung dieses Themas zu vergleichen.

Im vergangenen Jahr entstand aus diesem Interesse, eine Reihe von gemalten Ansichten meiner Heimatstadt Altena. Was liegt also näher, da ich mein ganzes Leben in großen und kleinen Städten verbracht habe, die Stadt aus der ich komme genauso zu thematisieren, wie die Stadt, die ich anhand einer weit entfernten Webcam beobachten kann? Ich sehe diese Bilder und somit erlebe ich sie auch, ganz gleich, ob ich mich dort aufhalte oder mir meine Anwesenheit nur vorstelle.


Altena, Zum Kölschen Joe, 2016, Öl/Lwd., 50 x 60 cm


Altena, Immerhin, 2016, Öl/Lwd., 60 x 80 cm

2008 entdeckte ich die New Yorker Live-Webcam http://www.cnyclive.com. Ich war auf Anhieb fasziniert von der Möglichkeit, diese Kamera von meinem Standort in Deutschland aus, mit meinem Computer steuern zu können, zu zoomen, zu schwenken, das Leben auf der Kreuzung Christopher Street, Seventh Avenue auf meinem Computerbildschirm zu verfolgen. Auf diese Weise habe ich an die 5000 snapshots gespeichert, von denen ich ca. 80 Motive in Ölpastellbilder verwandelt habe - Snapshot Drawings.


Snapshot CNYC, 2010, Ölpastell/Acrylkarton


Snapshot CNYC, 2012, Ölpastell/Acrylkarton

Diese besondere Webcam war vorübergehend eingestellt worden, scheint nun wieder aktiv zu sein, wobei ich zwar die Seite aufrufen kann, mir aber offenbar ein Plug-in fehlt, um die Übertragenen Videos sehen zu können. Das Problem werde ich in nächster Zeit recherchieren und hoffentlich lösen, um mich wieder auf den Straßen von Greenwich Village tummeln zu können.

Nur mit Tübinger Ansichten tue ich mich immer noch schwer. Woran es liegt kann ich gar nicht genau beschreiben. Möglicherweise ist das Leben hier, zumindest oberflächlich betrachtet, zu beschaulich und geordnet, im Vergleich zu Berlin und Altena. Es gibt keine krassen Brüche im Stadtbild, das gediegen Bürgerliche scheint mir dominant zu sein. Insofern ist es eine künstlerische Herausforderung, die ich annehmen sollte.





Sonntag, 18. Juni 2017

Mit dem Zeicheninstitut auf dem Tübinger Stadtfriedhof

Es ist heiß in Tübingen und unter dem Glasdach des Zeicheninstituts ist es nochmal bedeutet heißer! Am Freitagnachmittag bin ich daher mit den Student*innen, auf den nahegelegenen Tübinger Stadtfriedhof umgezogen. Ich bin froh über diese Möglichkeit, bietet sie den Studentinnen doch die einmalige Erfahrung "Plein Air" zu malen, Licht und Schatten, verschiedene Grüntöne, Vegetation in Verbindung mit kulturellen Artefakten an Ort und Stelle wahrzunehmen und dies unmittelbar im Bild festzuhalten.

In knapp zweieinhalb Stunden kann kaum ein Bild "fertig" werden, aber darum geht es nicht. Es ist die Einmaligkeit der Erfahrung, die so ganz anders ist, als die Arbeit an einem Schreibtisch oder in einer Bibliothek. Die Kürze der Zeit erfordert außerdem eine schnelle Entscheidung für die Wahl eines Motivs, dass man für bildwürdig hält.

Ich selbst fand Zeit für zwei kleine Kohleskizzen und ein paar Fotos.






Donnerstag, 15. Juni 2017

Montag, 12. Juni 2017

Fallen - die ersten vier Stadien

Endlich! Die Arbeit geht voran. Für meinen Beitrag, zur Ausstellung des Künstlerbund Tübingen in Kooperation mit dem Ugge Bärtle Museum, habe ich ein vages Konzept entwickelt, das es mir erlaubt, den Arbeitsprozesses und damit das Ergebnis, offen zu halten. Ich reagiere darauf, was das Format (124,5 x 460 cm) und das Medium (Kohle, Tusche und Wandfarbe) mir anbieten.

Die expressive Gestik der Tafeln entspricht nicht dem Ausdruck, den ich üblicherweise in meinen Bildern anwende. Aber es macht einen großen Unterschied, ob ich Stadtansichten mit statischen Gebäuden oder sich wild gebärdende Pferde darstelle. Ich bin der Ansicht, dass ein expressives Thema unbedingt auch einer entsprechenden Form bedarf. 

Die Spontaneität des Zeichen- und Pinselstrichs, der die wilden Pferde zum Leben erweckt und sich von ihrem Reiter befreien lassen, erlebe ich selbst als befreiend. Wirf den Ballast ab, den Reiter, der dich Jahrtausende lang gezwungen hat Dinge wider deine Natur zu tun! Das Pferd als Mythos der Freiheit, wird verehrt und bewundert, als domestiziertes Lebewesen führt es ein fremdbestimmtes und unnatürliches Leben, dass sich oft nur aufgrund von schmerzhaftem Zwang dem Menschen beugt.

Fakt ist, ohne das Pferd, gäbe es unsere Kultur, so wie sie sich entwickelt hat nicht. Erst seit es Maschinen gibt, hat das Pferd ausgedient und wenn es sich nicht für für den Sport und als Freizeitobjekt eignen würde, wäre es wohl nur noch im Zoo zu bewundern. Die Bedingungen für einen natürlichen Lebensraum, den ein solch sensibles und komplexes Wesen wie das Pferd benötigt, kann unsere Kultur kaum mehr bieten. 

Ein spannendes Thema also, dass kulturgeschichtlich von besonderem Interesse ist, wie das Buch "Das letzte Jahrhundert er Pferde", von Ulrich Raulff, 2016 in 6. Auflage im C.H. Beck Verlag erschienen, zeigt. Es lohnt sich es zu lesen, da es historische und gesellschaftliche Zusammenhänge neu beleuchtet.
Hier zwei Sätze aus der Buchbeschreibung des C.H. Beck Verlags: 
Der Exodus des Pferdes aus der Menschengeschichte ist ein erstaunlich unbeachteter Vorgang. Ganze Bibliotheken zur Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts schweigen sich aus über das Pferd, das gleichwohl in Europa und Amerika allgegenwärtig war – bis das letzte Jahrhundert der Pferde in der Zeit Napoleons anbricht und mit dem Ersten Weltkrieg ausklingt.