Freitag, 10. November 2017

Peter Kerschgens Ideenspeicher

In der vergangenen Woche hatte ich das Vergnügen und die Ehre, für zwei Tage als Gast bei Peter Kerschgens und seiner Frau, der Künstlerin Astrid Karuna Feuser eingeladen zu sein. Das war in verschiedener Hinsicht ein wunderbares Erlebnis.

Zunächst einmal, bin ich selten so herzlich empfangen und so fürsorglich und großzügig bewirtet worden, obwohl es für uns drei die erste Begegnung miteinander war. Und dann gibt es dort natürlich das absolut beeindruckende Kunstarchiv-Peter-Kerschgens - mit dem Ideenspeicher.

Ca. 20 000 Zeichnungen haben sich im Laufe von knapp 40 Jahren Sammlertätigkeit dort eingefunden. Meterlange Regale füllen mittlerweile zwei mittelgroße Häuser, mit ordentlich abgelegten, alphabetisch sortierten Mappen. Einige Regale sind mit Holzrahmen bestückt, in denen die Zeichnungen der letzten Ausstellung verblieben sind. Es sind echte Perlen darunter.

Darüber hinaus befinden sich im Archiv, in verschiedene Sammelgebiete geordnet, an die 300 000 ebenfalls übersichtlich in eigens hergestellten Kästen archivierte Einladungskarten, des weiteren Kataloge von Künstlerinnen und Künstlern, bekannte und unbekannte Namen aus aller Welt.

So heißt denn auch das schöne Spiel, das uns eine Weile erheitert: "Nenn mal einen Namen!", und ich nenne einen. Peter überlegt kurz und geht zielstrebig auf ein Regal zu, öffnet eine Box und zieht mehrere Karten heraus. Selbst von mir findet er ein paar alte Einladungen von Ausstellungen, an die ich mich lange nicht erinnert habe. Auf welch verschlungenen Wegen sie dorthin gelangt sind, weiß der Himmel. Peter muss über ein unglaubliches, auch visuelles, Gedächtnis verfügen. Er weiß binnen Kurzem genau, wo sich etwas befindet. Absolut erstaunlich!

Was mich besonders freut ist, dass Peter wohl einer der wenigen Sammler ist, die allein auf die Qualität einer Arbeit achten und nicht darum, ob es sich um einen bekannten Namen handelt oder eine Wertsteigerung absehbar ist.

Und ich freue mich sehr, nun auch mit 50 Blättern, aus verschiedenen Phasen, im Ideenspeicher vertreten zu sein!

Als Sahnehäubchen bekam ich auch Astrids space-ige Bilderwelt und ihre Pop-Up-Bücher im Original zu Gesicht. Ihre Werke sind unverwechselbar und eröffnen eine Welt in der Welt. Ihre Phantasie ist unerschöpflich und beim Betrachten vermittelt sich mir ihre Lust am Spiel mit Linien, Mustern, Materialien, aber vor allem am Erzählen von Geschichten. Hunger nach Bildern! Wie gut, dass er nie gestillt werden kann!


Dienstag, 7. November 2017

Manet in Wuppertal - Konstruierte Kunstgeschichte

Als wir uns, am vergangenen Freitag dem Von-der-Heydt Museum in Wuppertal näherten, sagte ich zu meinem Begleiter: Erstaunlich, dass sich die arme Stadt, bzw. das kleine Museum, solch eine teuere Ausstellung leisten kann. Schließlich weiß mittlerweile jeder, dass die Versicherungssummen und Transportkosten für die Megawerke der Kunst, von den Museen kaum noch zu bezahlen sind.

45 weniger bekannte Arbeiten Manets wurden letztlich zusammengestellt und von ca. 100 Zeichnungen und Gemälden seiner Zeitgenossen flankiert. Zwei seiner Hauptwerke, "Das Frühstück im Grünen" und "Olympia" wurden als hochwertige Kunstdrucke im Originalformat präsentiert. Was immerhin eine adäquate Möglichkeit darstellt und die Originale schützt. Obwohl die Schau den Anspruch erhebt, Ausschnitte aus dem gesamten Werk Manets zu präsentieren, fehlte mir ein wesentlicher Aspekt, nämlich Manets Interesse an den technischen Errungenschaften seiner Zeit, der überhaupt nicht erwähnt wurde.

Aus Neugier nahmen wir an einer Führung durch die Ausstellung teil, die von einer jungen Kunsthistorikerin geleitet wurde, die sich offensichtlich bemühte, aus der gebotenen Zusammenstellung einen sinnfälligen Zusammenhang zu konstruieren.

Die Gruppe aus ca. 20 Teilnehmer*innen, sog widerstandslos die Floskeln und kunsthistorischen Behauptungen auf, die mit mehr oder weniger Relevanz vorgetragen wurden. Neben dem "Helden" der Kunst, der mutiger und rücksichtsloser, individualistischer seine Position zu verteidigen weiß, muss es dann auch noch den "Vater" der Moderne geben, dessen Samen sich, wie aus einer heiligen Wolke, auf die nach ihm folgenden Künstler ergießt. Ohne den Vater der Moderne, keine moderne Kunst!

Aber wer war denn nun der Vater, der das 20. Jahrhundert voller künstlerischer Entdeckungen erst möglich gemacht hat? Nach meinem bescheidenen kunsthistorischen Wissen galt bislang Cézanne als das Asphaltier der Moderne. Es stellt sich aber heraus, dass auch Gauguin und Van Gogh Väter der Moderne sind. Und wenn man etwas tiefer in die Kiste greift, würde ich sogar sogar Frans Hals, mit seinem lockeren, expressiven Pinselstrich, als Vater der Moderne betrachten. Und Goya, nicht zu vergessen! Aber wozu brauchen wir dieses Denken in patriarchalen Familienstrukturen? Und wo sind die Söhne, Töchter und Mütter geblieben?


Edouard Manet, Im Père Lathuille

Besteht die Moderne etwa aus einer Kette von Morden, begangen von Söhnen an ihren Vätern, ihren Vorgängern, die ihnen doch den Weg erst bereitet haben? Söhne, keine Töchter, denn Frauen können laut Aussage von Gerhard Baselitz nicht gut malen und sind demnach für den Kunstmarkt wertlos. Hier ein Link zu einem sehr schönen Artikel dazu aus der F.A.Z.

So widerlich diese Behauptung auch ist, das Fünkchen Wahrheit in Baselitz, auch sich selbst entwürdigender Aussage, mag darin liegen, dass der Kunstmarkt Malerinnen nicht besonders schätzt, weil sie möglicherweise nicht aggressiv genug sind, um über ihre Vorgänger*innen triumphieren zu wollen. Damit erledigt sich das Heldentum von selbst, ein Heldentum, ohne dass die Kunstgeschichte nicht existieren und der Kunstmarkt seine Preise nicht erzielen kann.

Darum ist es auch keine Malerin, die gerade die Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Kunstwelt anführt, sondern die Videokünstlerin Hito Steyerl! Es geht also doch, es gibt hin und wieder auch Heldinnen im Kunstbetrieb! Nur eben keine Malerinnen. In den 70er Jahren des vergangenen Jahrtausends haben Künstlerinnen sich explizit mit neuen Formen der Kunst beschäftigt, insbesondere der Videokunst, weil sie damals schon begriffen haben, dass sie als Malerinnen nicht wahrgenommen werden und keine Wirkung erzielen.

Ich bin überzeugt, dass ein mutigerer, heldenhafterer Museumsdirektor eine weitaus spannendere Schau hätte zusammenstellen und die politischen und zeitrelevanten Aspekte in Manet's Werk unkonventioneller und sinnfälliger präsentieren können.

So hat für mich ein einfacher Museumsbesuch mal wieder zu Gedanken über Sinn und Unsinn in der Welt der Kunst geführt, insbesondere der von Künstlerinnen :-)

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Fotorefenzen

Seit es die Fotografie gibt, scheint die Malerei um ihre Identität zu ringen. Die Frage, was soll, was kann Malerei noch leisten, nachdem das Abbilden von Wirklichkeit nur einen Klick entfernt ist, steht nach wie vor im Raum. Soll Malerei die Realität abbilden, soll sie über die Realität hinausgehen, soll sie das Material, das Medium, sich selbst reflektieren?

Seit es die Fotografie gibt, haben Maler sie aber auch als Vorlage für ihre Bilder genutzt. Ist es nicht ein raffinierter Schachzug, wiederum die Fotografie für die Dienste der Malerei einzuspannen?


Verlag Fröhlich&Kaufmann, 
von Elizabeth Easton, Clément Chéroux, Michel Frizot u. a., Katalogbuch Washington 2012

Das Zeichnen und Skizzieren der Dinge vor dem Objekt, vor der Natur, bleibt dennoch Bedingung zur Entwicklung des eigenen Vorstellungsvermögens und des räumlichen Denkens.

Das Betrachten von Dingen und Orten auf einem Foto löst jedoch andere Empfindungen aus. Mir scheint, ein Foto ruft auf seine Weise etwas Rätselhaftes hervor, etwas, dass ich durch die Distanz, die ich aufgrund des technischen Prozesses und der dazwischen liegenden Zeit, hineinlesen kann.

Und das ist letztlich der Prozess, der beim Malen mit einer Fotoreferenz in Gang kommt. Nicht die genaue Wiedergabe aller Details und Lichtverhältnisse steht dabei im Vordergrund, sondern die Umsetzung dessen, was ich beim Betrachten der Fotografie an eigenen Vorstellungen wiedergeben möchte. Heißt bilden nicht zwangsläufig immer auch interpretieren?

Ein weiterer für mich bedeutsamer Aspekt, den die gegenständliche, bzw. figurative Malerei betrifft, liegt darin, dass das Foto mir mehr Freiheit gibt, mich auf die Malerei selbst zu konzentrieren, auf die Farben und den Pinselstrich.



In letzter Zeit sprechen mich insbesondere Fotos an, die andere gesehen und festgehalten haben. Gerade die mir unbekannten Räume und Orte sind es, die es mir erlauben, mich dem Motiv unbefangen zu nähern und mich umso mehr auf die Malerei selbst, auf die Farben und den Farbauftrag zu konzentrieren. Ich wähle Fotos aus, die mich in irgendeiner Form ansprechen und so glaube ich, müssen sie auf die eine oder andere Weise etwas mit meinem eigenen Erleben von Welt zu tun haben.

Gemalte Bilder beziehen sich immer auf den Menschen, auch, wenn der Mensch selbst darin nicht sichtbar ist, auch, wenn das Bild abstrakt, konkret, minimalistisch oder sonst irgendwie gestaltet ist, geht es doch immer um eine menschliche Ordnung und Erfahrung. Und darin liegt die Identität der Malerei, ganz ohne Zweifel.

Dienstag, 10. Oktober 2017

Auf der Suche

Es ist eine Weile her, seit ich den letzten Post veröffentlicht habe, aber manchmal braucht es etwas mehr Zeit, um einen Gedanken eine Veröffentlichung wert zu finden.

Vielleicht spielt die Tatsache eine Rolle, dass mich zwar weiterhin die Themen beschäftigen, die mir in den letzten Jahren wichtig waren - Gebäude, Straßen, Fassaden etc. - dass ich aber auch auf der Suche nach ergänzenden Motiven bin.

Die Mauer eines Hauses ist wie die Linie einer Zeichnung, deren Strich gleichzeitig ein Innen und ein Außen bildet. Daraus ergibt sich eine spannende Wechselwirkung. Was zeigen, was verbergen die Fassaden, welche Geschichte erzählen die Innenräume.

Das Thema des Interieurs ist in meinem Repertoire nicht neu. Anfang der 80 er Jahre habe ich, mit lockerem Pinselstrich, einige Räume von Schlössern und Residenzen gemalt. Es bietet sich an, das Thema wieder aufzugreifen und der Reihe von Häuser- und Fassadenbildern gemalte Innenräume gegenüber zu stellen.

Ich habe in den Alben einiger meiner Flickr-Freunde Fotos entdeckt, die in leerstehenden, bzw. verfallenen Häusern aufgenommen worden sind und die Einblicke in Räume gewähren, die sich selbst überlassen sind. Das natürliche Licht darin macht Farben sichtbar, die durch die Feuchtigkeit in den Mauern, den Wandel der Dinge über die Zeit, entstanden sein mögen.

Aus den Fugen geratene, ungeordnete Strukturen und Linien bilden ein Chaos der Verlassenheit. Was geschieht mit einem Raum, einem Haus, wenn sich kein menschliches Leben mehr darin befindet. Es scheint ein Eigenleben ohne Absicht und Zweck zu entwickeln.

Studien, Gouache und Acryl auf Papier, 50 x 70 cm








Dienstag, 26. September 2017

Kleine Blockade

Es passiert mir nicht oft, aber es passiert von Zeit zu Zeit. Ich komme ins Atelier und weiß nicht so richtig, wo ich beginnen soll. Mehrere fast fertig gestellte Bilder begrüßen mich, ein noch nicht so weit gediehenes ist am letzten Ateliertag auf der Staffelei verblieben. Es spricht nicht zu mir. Die Sonne scheint.

Es ist einer der wenigen noch verbleibenden, warmen Spätsommertage in diesem Jahr, dennoch kann ich mich nicht entschließen ihn draußen zu genießen. Obwohl, ein paar Kleinigkeiten müssen noch besorgt werden, ein Brief zur Post gebracht. Dabei lasse ich mir Zeit, schlendere ein wenig herum, es ist ja erst Mittag.

Zurück im Atelier esse ich erst etwas, damit ich die Arbeit nicht hungrig beginnen muss. Anschließend werfe ich noch einen kurzen Blick in meine Emails. Ich weiß, dass dies falsch ist, denn die Arbeit an den Bildern, die ich nun beginnen sollte, verträgt sich nicht mit der Öffnung des Fensters in die weite Welt. Ich weiß das und tue es trotzdem. Und bleibe prompt zu lange an der Kiste hängen ...

Eine Freundin kündigt einen kurzen Besuch für den Nachmittag an, um etwas bei mir abzuholen. Ich freue mich darauf einen Tee mit ihr zu trinken, mich noch mit ihr über dieses und jenes auszutauschen und schon ist der Zeiger der Uhr weiter fortgerückt. Inzwischen ist es früher Abend und ich muss einsehen, ich hatte die besten Absichten, aber heute fehlte mir irgendwie die Energie.

Ganz will ich mich aber nicht geschlagen geben und daher beginne ich einige Utensilien zu ordnen und auf einem Tisch zum Zeichnen bereit zu legen. Ich fühle mich nicht gut, wenn ich nicht einmal am Tag einen Stift in der Hand gehabt und wenigstens eine Skizze gemacht habe. Ich finde zwei Fotos mit Motiven, die mich schon lange interessieren, nehme einen Kohlestift in die Hand und fange einfach mal an. Die grobe Kohle steht im Widerspruch zu der Fülle der Details der Fotos und damit bin ich gezwungen, die Skizze großzügig anzulegen. Es entwickelt sich etwas, das mich neugierig macht. Der Knoten scheint sich aufzulösen.






Morgen werde ich möglichst früh die Pinsel in die Hand nehmen und loslegen. Vermutlich musste ich mich heute erst von den Ereignissen des Wochenendes erholen. Die Wahl und ihr Ergebnis hat mich ziemlich beschäftigt. Das Säbelrasseln der zwei Psychopathen im Atlantik und im Pazifik ebenso. Aber auch die Erdbeben in Mexiko. Die Welt verändert sich permanent. Manchmal ist es nicht leicht, das hinzunehmen.

Mittwoch, 20. September 2017

Ausstellung "Aussichten", Kulturverein Zehntscheuer Rottenburg

Oje, in den letzten zwei Wochen gab es so viel zu tun, so dass ich doch tatsächlich völlig vergessen habe hier die Eröffnung der Ausstellung "Aussichten", die bereits am 16. 09., in der Zehntscheuer in Rottenburg statt gefunden hat, anzukündigen! Es gibt viel zu schauen, denn außer meinen Bildern aus der Serie "Auf der Strecke", zeigen Hannelore Fehse aus Weggingen, auf der Alb und Johanna Jakowlev aus Stuttgart ihre Werke. Ich freue mich, mich in so guter Gesellschaft zu befinden.

Einige liebe Freundinnen und Freunde sind meiner Einladung allerdings über Facebook gefolgt. Es war mir eine riesengroße Freude euch dabei zu haben und von euch so viel Unterstützung erfahren zu haben. Danke nochmals für euer Kommen, aber auch ganz besonders dem meines Bruder aus Hagen, der sich auf sein Moppet :-geschwungen hat, um mir mit seinem Erscheinen eine wunderbare Überraschung zu bereiten!

Überhaupt war es ein absolut gelungener und schöner Abend, den wir in kleinerer Runde im nahegelegenen "BistroRant"genussvoll haben ausklingen lassen. Danke auch nochmals an die Organisator*innen vom Kulturverein Zehntscheuer, Frau Stolting, Bobby Baur und Frau Wendel. Solch professionelle und gelungene Zusammenarbeit habe ich selten erlebt. Ganz lieben Dank auch an Dagmar Waizenegger, der Leiterin des Kulturamts der Universitätsstadt Tübingen, für ihre begeisternde und mitreißende Rede. Mehrere Besucher haben mir anschließend bestätigt, dass sie sich sehr gut mitgenommen gefühlt und die Bilder sich durch die einfühlsame Einführung noch besonders eröffnet haben.

Die Ausstellung ist noch bis zum 12. November 2017 zu sehen und selbstverständlich freue ich mich über weitere zahlreiche Besucher.





Samstag, 9. September 2017

Die höchste Eisenbahn!!!

Seit mehr als vier Wochen schon wimmelt mir ein ganzes Nest von Ohrwürmern im Hirn! Da muss ich tatsächlich soooo alt werden, um letztlich doch noch Liedern mit deutschen Texten zum Opfer zu fallen? Aber was für Texte und was für Musik! Die Jungs von "Die Höchste Eisenbahn" haben mich völlig im Griff und ich mag derzeit nichts anderes mehr hören, bis ich die überraschenden, intelligenten und oft auch surrealen Texte mit der dazugehörigen Musik auswendig kann, um eifrig mitzusingen.


Entdeckt habe ich die "Höchste Eisenbahn"    zufällig, im Deutschlandfunk Kultur. Der Sender spielte während eines Interviews den Song "Schau in den Lauf Hase" ein und ich bekam gleich ganz große Ohren :-

Und dann war da noch meine wiedergefundene Freundin aus Kindertagen, die ich in meiner Heimatstadt besuchen wollte. Ich hatte erfahren, dass sie Jägerin ist und bestellte die CD als Geschenk für sie. Wenn ich damit auch nicht ihren Geschmack treffen sollte, würde zumindest der Titel passen!






Aber es dauerte noch eine Weile, bis ich das zweite Lied "Nicht Atmen" im Radio hörte und fortan alle Songs der Band inhalierte. Ja, so war das. Rainer konnte ich jedenfalls schon mit dem Eisenbahnfieber anstecken ;-)))

Ich denke, die Mitglieder der Band werden nichts dagegen haben, wenn ich hier mal Werbung für ihre Musik, ihre Videos und ihre Webseite mache.

Ich würde mich freuen, wenn ihr einen Kommentar hinterlasst, um zu erfahren, ob meine Begeisterung euch mitreißen kann!


Die höchste Eisenbahn spielt übrigens am 17. November 2017, um 20 Uhr, in der Liederhalle in Stuttgart. Ich habe natürlich schon Karten bestellt ;-

                                          



Donnerstag, 7. September 2017

Jeden Tag ein Blatt

Mein Malkoffer, den ich für die Reise gepackt hatte, strotzte nur so von Farben, Pinseln, Skizzenbüchern und allem was dazu gehört. Wie immer, hatte ich mir viel vorgenommen und bin dann doch der Sonne, der Umgebung, der Entspanntheit, der Lust einfach nur da zu sein, erlegen.

Das ist gut so, denn Pausen sind wichtig. Pausen sind eigentlich gar keine Pausen, denn in ihnen wird beobachtet, gespeichert, überlegt, fantasiert und darüber nachgedacht, was auch immer mit Bildern und dem Bildermachen zu tun hat.

Zum Glück befand sich auch ein 10 x 15 cm kleines Skizzenbüchlein im Gepäck, dass sich als ständiger Begleiter entpuppte und in dem ich (fast) jeden Tag schnelle Eindrücke festgehalten habe. So wurde daraus ein Tagebuch mit, zumindest für mich, intensiven Erinnerungen.

Hier ein paar Kostproben -











Rhoneschleife von Ozon aus betrachtet



Freitag, 1. September 2017

Bad Boy - die Biografie von Eric Fischl


Fast drei Wochen Sonne und Freiheit liegen nun hinter mir, die Ferien sind zu Ende und die ersten Aufgaben stehen auf dem Plan. Auch darauf freue ich mich!

Während ich die Ferienzeit ausgiebig zum Erholen, Erleben und für das süße "Nichtstun" gekostet habe, fand ich endlich die Zeit Eric Fischl's Biografie zu lesen, die schon seit Anfang des Jahres unberührt auf meinem Tisch lag.

Der Titel "Bad Boy" nimmt Bezug auf das Bild, das zur Ikone seiner beginnenden Karriere als Maler geworden ist und damit auf die Bilder, die den amerikanischen Mittelstand, die Gesellschaft der Suburbs mit all ihrer Doppelmoral charakterisieren. Damals muss das eine schockierende Tat gewesen sein, zumal die Kunstwelt jener Jahre jegliche gegenständliche und figurative Malerei ablehnte und ganz auf Konzeptkunst oder den abstrakten Expressionismus ausgerichtet war.

Aber Fischl ist ein Maler durch und durch, der seine Botschaft selber auch lebt. Also nahm er den unbequemen Weg und kämpfte für und um seine Malerei. Es ist spannend zu lesen, wie er von einem jungen Mann, der relativ spät seine Begeisterung für die Malerei entdeckt, zum New Yorker Shooting Star wird und wie sein Stern, aufgrund der politischen Entwicklungen und den damit verbundenen gesellschaftlichen Verstrickungen, schon bald wieder auf "normale" Höhen herabsinkt.

Er beschreibt in seinem Buch seine traumatische Kindheits- und Familiengeschichte, mit denen er sich letztlich, in verallgemeinerter Form, in seinen Bildern auseinandersetzt und die seine künstlerischen Themen sozusagen hervorgebracht haben. Fischl beschreibt die repressive Haltung der gesellschaftlichen Strukturen, beginnend in den 60er Jahren, bis hin zum Anfang des neuen Jahrtausends in Amerika.

Er reflektiert Kunst und den sich verändernden Kunstmarkt, sowie die Wahrnehmung seiner eigenen Position in dieser Kunstwelt. Eric Fischl offenbart die Schwierigkeiten auf seinem Weg eine eigene malerische Sprache für sein Lebensthema zu finden - der Mensch in seinen gesellschaftlichen Zwängen, in seinen psychologischen Beziehungen zu anderen - und lässt uns teilhaben an seinen künstlerischen Experimenten, Entdeckungen und dem Beschreiten für ihn neuer Wege.

Das Buch ist für mich in jeder Hinsicht hochspannend zu lesen gewesen, da ich selbst in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts meine ersten Erfahrungen in der Welt des Kunstmarktes in Berlin gewinnen konnte und die im Buch beschriebenen Mechanismen der Kunstwelt, am Rande selbst kennen gelernt habe. Dabei muss ich gestehen, dass ich wohl nie dermaßen vom Ehrgeiz besessen war und auch vom Kunstmarkt nicht so überzeugt wie Meister Fischl, um mich in diese Schlacht stürzen zu wollen. Wie auch immer, jeder muss seinen eigenen Weg finden, um sich und seine Kunst zu leben.

Wer tiefer einsteigen will in die Phänomene des Kunstmachens und des Kunstmarktes findet in diesem Buch auf jeden Fall Antworten, auch auf die Frage, wie heute Kunstgeschichte gemacht wird. Ohne einen Maler wie Eric Fischl hätte es wahrscheinlich keine Berliner Jungen Wilden und keine Neue Leipziger Schule gegeben. Eric Fischl's Werk ist für mich ein Meilenstein der Malerei und seine Bilder bleiben frisch, provokativ und irritierend.

Wer mehr über diesen Ausnahmekünstler erfahren möchte, hier geht es zu einigen Videointerviews:
http://www.ericfischl.com/media/


Donnerstag, 31. August 2017

Ausstellungseröffnung "Begegnungen mit Ugge"

Es ist eine sehr gelungene Schau,
die am Donnerstag, dem 09. September, um 19 Uhr, in der Kulturhalle in Tübingen eröffnet wird.

Zu Ehren von Ugge Bärtle, dem Gründungsmitglied des Künstlerbund Tübingen und bedeutenden Bildhauer und Zeichner der Stadt, der in diesem Jahr 110 Jahre alt geworden wäre, haben sich die Universitätsstadt Tübingen, das Ugge Bärtle Museum und der Künstlerbund Tübingen zu einer Kooperation zusammen gefunden und diese umfassende Ausstellung mit Werken den Ugge Bärtles im Zentrum, und neuen dazu korrespondierenden Arbeiten einiger Künstlerbund Mitglieder, zusammengefunden.

Ich freue mich über viele interessierte Gäste!


Mittwoch, 9. August 2017

Maggie Hambling, The Sound of The See - für Ines ;-

Eine große Künstlerin, die in Deutschland wahrscheinlich noch wenig bekannt ist: Maggie Hambling! Auf YouTube gibt es einige beeindruckende Interviews mit ihr, unter anderen dieses über ihre "Seestücke":


Sonntag, 6. August 2017

Wayne Thiebaud, ein weiser alter Maler

Wundervoll! Voll Einfachheit und Wahrheit! Und doch so schwer zu erreichen. Wayne Thiebaud hat viel verstanden.


Mittwoch, 2. August 2017

Ferien

Der Endspurt in die Ferien war anstrengend und schön zugleich. Ab dem kommenden Samstag habe ich dann gute drei Wochen lang absolut keine Termine mehr. Das heißt einfach mal nur da sein, ohne Pflichten, ohne Aufgaben, ohne Rolle, großartig!

Daher seid nicht allzu enttäuscht, wenn meine Posts bis Ende August ausbleiben, oder nur spärlich erscheinen :-

Ich euch allen einen wunderschönen Sommer, bleibt gesund und munter, eure Carola

Farbe neu entdecken

Die Farbe bedeutet für mich die Grundlage der Malerei, sie bestimmt in erster Linie die Aussage des Inhalts, erst an zweiter Stelle kommt der Gegenstand. Vielleicht war der Gegenstand, bzw. das Motiv für mich bisher auch nur der Anlass, um mit Farben umzugehen, wobei ich mich seit meines Studiums an der UdK, damals HdK Berlin, hauptsächlich auf mein individuelles Farbempfinden verlassen habe. Wir waren ja alle so genial, dass wir uns um Theorien nicht groß kümmern mussten :-

Das Mischen feinster Farbnuancen ist mir dabei immer schon eine Lust gewesen und ich kann behaupten jeden Ton, und sei er noch so differenziert, intuitiv treffen zu können.

Seit einiger Zeit begegnen mir, bei meinen gelegentlichen Stöbereien im Internet, Künstler die sich systematischer mit Farben auseinandersetzen. Das hat mein Interesse geweckt und mich einige spannende Videos entdecken lassen.

Das Video des amerikanischen Malers Mark Carder finde ich besonders empfehlenswert. Er zeigt darin, wie er komplexe Farbnuancen auf methodische Weise erzielt:



Etwas Geduld muss man dabei aufbringen, da sein Video in Echtzeit abläuft ;- Auf jeden Fall ist es den Versuch wert, seine Methode einmal selbst auszuprobieren.

Montag, 24. Juli 2017

Kunstzeitung Editorial 632

Es wird allerorten viel geschrieben über die Kunst und den Kunstmarkt, mehr oder weniger tendenziös, aber auf die Kunstzeitung möchte ich wirklich nicht verzichten! Die Artikel sind informativ, unabhängig, kritisch, oft erhellend und immer im Sinne der Kunst und nicht im Sinne des Marktes geschrieben. Zwei Dinge, die Künstler*innen und Kunstinteressierte voneinander zu trennen wissen sollten.

Sehr empfehlenswert für alle, die noch daran glauben, dass ein bedeutendes Kunstwerk auch an einem bedeutenden Preis zu erkennen ist, ist das Editorial zur 632 sten Ausgabe der Zeitung, in dem Karl-Heinz Schmid über den Zustand des aktuellen Kunstmarktes berichtet! Hier der direkte Link zu dem Artikel:
http://lindinger-schmid.de/informationsdienst-kunst/
(evtl. auf der Seite etwas weiter herunter scrollen)

Übrigens liegt die aktuelle Ausgabe der Kunstzeitung jeden Monat kostenlos in der Galerie des Tübinger Künstlerbunds, zur Abholung bereit. Ich bin oft am Donnerstagnachmittag, zu den Öffnungszeiten zwischen 15 und 18 Uhr dort anzutreffen und freue mich immer über freundliche und interessierte Besucher unserer Ausstellungen.


Donnerstag, 20. Juli 2017

Bildschmerzen

Kürzlich machte ich einen Besuch in der Crona Klinik in Tübingen und stieß in einem stark frequentierten Wartebereich erfreulicherweise auf zwei eindrucksvolle Bilder von Gerda Brodbeck, aus den Jahren 1989, ca. 4 x 4 m groß. Solch sensible und dennoch wuchtige Gemälde erzeugen natürlich Wirkung bei mir und vermitteln mir darüber hinaus etwas Vertrautes in fremder Umgebung.

Beim Nähertreten hätte ich allerdings weinen mögen! Abgesehen von Dellen und Abschürfungen, befanden sich am unteren Rahmen große Risse in der Leinwand. Wozu, fragte ich mich, kauft die Klinik für einen sicherlich recht hohen Betrag wundervolle Kunstwerke und geht dann damit um, als seien es beliebige Einrichtungsgegenstände, die ersetzbar sind? Hätte da nicht auch noch eine kleine Sicherheitsvorrichtung drin sein müssen, um sie vor Beschädigungen durch der Transport der Betten in den Fluren zu schützen? Wann werden die Bilder dermaßen zerstört sein, dass sie womöglich noch auf dem Müll landen? Ein beschädigtes Bild kann seine Wirkung nicht mehr entfalten, da die Schäden sich in den Vordergrund drängen und den Gesamteindruck stören.







Sicherlich, Leib und Leben der Patienten gehen selbstverständlich vor, dennoch frage ich mich, ob die Gleichgültigkeit den Bildern gegenüber nicht auch etwas darüber aussagt, wie mit den Menschen verfahren wird. Ins Krankenhaus geht man in der Regel ja durchaus, weil es Beschädigungen des Körpers gibt, die dort möglichst geheilt werden sollen. Ist es daher für die Heilenden nicht notwendig die Sinne in alle Richtungen zu schärfen, um erfolgreich zu sein? Zu solch einem umfassend geschulten Arzt und ein solches Personal hätte ich bei Weitem mehr Vertrauen. Aber vielleicht sehe ich das zu wenig pragmatisch?

Ich nehme mir jetzt vor die Klinikleitung zu kontaktieren und auf diese Bilder anzusprechen. Vielleicht kann ich ja eine Restaurierung und entsprechenden Schutz anregen. Über das Ergebnis werde ich hier berichten.

Samstag, 15. Juli 2017

Uncreative Writing

Heute schon wieder! Das Thema, das ich vor wenigen Tagen in meinem Post "Vorbilder" angerissen habe, scheint tatsächlich ziemlich aktuell zu sein. Vorhin hörte ich zufällig im Deutschlandfunk Kultur, in der Sendung Breitband, ein Interview mit dem New Yorker Dichter und Literaturprofessor Kenneth Goldsmith 

unter dem Titel: Uncreative Writing, "Eine Hymne an das Plagiat und die Replikation"

Insofern für mich interessant, weil er meine Ansicht, die ich mit dem Satz "Kunst kommt von Kunst" so lapidar definiere, mit reflektierteren Gedanken erweitert. Seine Theorie beschränkt sich zwar auf das Schreiben - und ich finde es bei weitem nicht unkreativ, was er da tut oder lehrt - sie lässt sich aber auch locker auf jede andere Kunstform übertragen.

Letztlich geht es im Kern um den Geniebegriff, an den unsere Kultur doch immer noch so gerne glauben möchte, fast wie an ein religiöses, Mensch gewordenes Wunder. Wenn ich an das Geniale glauben kann, muss der Mensch, also auch ich, doch etwas Besonderes sein, oder?

Aber gerade heute, strömen dermaßen viele und oft ununterscheidbare Ideen und Gedanke auf jeden ein, dass diese Gedanken- und Ideenwelt wie eine große Energie in jedem gespeichert wird. Ich finde mich in vielen Dingen wieder und empfinde mich als Teil des Ganzen. Und ich finde das großartig! Was ich dann selbst damit anfange, was daraus entsteht beruht immer noch auf meinen eigens getroffenen Entscheidungen. Hoffe ich doch ;-)

Freitag, 14. Juli 2017

Studie

Ich habe die Ölkreiden wiederentdeckt, was mich dazu animiert damit kleine Studien anzufertigen.


23,5 x 30,5 cm

Donnerstag, 13. Juli 2017

Authentizität

Darum geht es doch beim Malen und Zeichnen, oder? Ich will Bilder machen, die mir etwas über mich und die Welt um mich herum erzählen. Ohne Schnickschnack und Gefälligkeiten. Das ist nicht so einfach, denn schließlich geht es um nichts weniger als die Wahrheit, die ans Licht kommen soll, worin auch immer sie bestehen mag.

Nun ist die Wahrheit, die ich selbst nur ahnen, bzw. interpretieren kann, eben nicht immer schön oder angenehm. Und es scheint von Vorteil zu sein, mir eine gewisse Distanz zu bewahren, um ein halbwegs echtes, authentisches Ergebnis zu bekommen. Bloß keine Selbstverliebtheit! Das fällt nach 40 Jahren Malerei inzwischen schon leichter.

Dabei bleibe ich gerne stur, denn ich will mich dem Bild nicht unterordnen. Ich fechte das Ergebnis so lange aus, bis sich etwas zeigt, dass bis dahin nicht greifbar war, die Bestätigung einer Ahnung vielleicht. Etwas, dass der dargestellte Gegenstand über sich selbst hinaus repräsentiert. Dieser Prozess kann schon mal zwei Jahre dauern, aber Zeit spielt ja nicht wirklich eine Rolle, oder nur insofern, als sie ohne mein bewusstes Zutun wirksam ist. Wie beruhigend.



Mittwoch, 12. Juli 2017

BR2 - Ich bin ein Kopist

Ich höre gerne. Und ich höre sehr gerne Podcasts. Und es ist ein schöner Zufall, dass ich heute den Podcast von BR2 "Nachtstudio" mit dem Titel "Ich bin ein Kopist" entdeckt habe, der auf sehr unterhaltsame und erhellende Weise das Thema aufgreift, dass ich in meinem vorhergehenden Post "Vorbilder" ganz rudimentär aufgegriffen habe.

Hier ist der Link zur Sendung zum Nachhören, ich wünsche viel Vergnügen ;-

Ich bin ein Kopist

Montag, 10. Juli 2017

Vorbilder

Die Begeisterung für die Kunst hat für mich damit begonnen, dass ich Bilder entdeckt habe, die einen tiefen Eindruck hinterlassen haben. Ich wollte mehr davon, denn eine wunderbare Welt tat sich für mich auf, als ich ungefähr 10 oder 11 Jahre alt war.

Geweckt wurde mein Interesse nicht etwa im Elternhaus oder in der Schule, sondern das Fernsehen war für mich damals das Tor zur Welt. In den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts nahm das Deutsche Fernsehen seinen Bildungsauftrag noch sehr ernst. Es gab, neben Furie und Flipper, moderne Kunst zu sehen, z.B. die automatischen Zeichnungen und Malereien von Wols, ein seitdem von mir verehrter Künstler. Es gab kritisches Theater, Brechts "Kreidekreis", den ich damals zwar kaum verstand, der mich aber intuitiv fesselte und Jazz! Regelmäßig habe ich eingeschaltet, wenn Leonhard Fethers die Größen der amerikanischen Musik vorstellte. Das Fernsehen war die Rettung für mich, denn in meiner Heimatstadt Altena war damals bezüglich Kunst und Kultur Land unter.

Ich will aber eigentlich auf etwas anderes hinaus, auf Vorbilder! Ohne diese Begeisterung für Werke anderer Künstlerinnen und Künstler, können keine eigenen Bilder entstehen.

Oft beginne ich meinen Unterricht mit Besprechungen der Werke berühmter, aber auch wenig bekannter Künstler und bin immer wieder überrascht, dass sich oft mehr oder weniger deutliche Hinweise zu anderen Werken und Künstlern darin finden lassen. Ich denke, so entsteht Kunst, durch Speichern und Übertragen dessen, was den eigenen Vorstellungen nahe kommt, was der Persönlichkeit, dem Temperament und der Absicht einer Künstlerin, eines Künstlers entspricht. Das hat nichts mit Kopieren oder Nachahmen zu tun. Was ich meine, ist eher ein Fortschreiben mit eigenen Mitteln, die Entwicklung eines Konglomerats aus Gesehenem, Gelerntem und Eigenem, woraus sich das Neue ergibt.

Picasso soll sich viele Ideen bei Besuchen in den Ateliers seine Künstlerkollegen geholt haben. Der Begriff "stehlen" trifft es für mich nicht, denn es geht um Inspiration und die ergibt sich oft im Betrachten von Kunstwerken. Ob eine Ausstellung gut ist, messe ich manchmal daran, wie sehr es mich anschließend drängt, selbst im Atelier zu arbeiten. Wenn die Lust, gleich den Stift oder den Pinsel in die Hand zu nehmen, unbändig ist, war es eine hervorragende Ausstellung! 

Wer selber malen oder zeichnen will, sollte unbedingt Kunst betrachten. Ohne diese Anregungen ergeben sich kaum Vorstellungen über die Möglichkeiten, die anschließend selbst erfahren und entwickelt werden können. Kunst kommt von Kunst, das Können ergibt sich später.

Skizze: Licht auf dem Tübinger Stadtfriedhof, Kohlezeichnung, Juli 2017

Kein Vergleich! Vielleicht eine Verbindung....

Caspar David Friedrich




Mittwoch, 5. Juli 2017

Malerei ist anders als Kunst

Vor einigen Jahren sagte ich einmal zu einem Künstler, dass ich glaube, dass Malerei nichts mit Kunst zu tun hat. Klingt merkwürdig? Ist es aber im Grunde nicht, denn die Malerei hat die Fähigkeit, sich über ihr eigenes Medium selbst darzustellen. Vielleicht vergleichbar mit der Musik, bei der die Töne sich zu einem Ganzen formen und letztlich darüber eine Wirkung erzeugen, die mit nichts vergleichbar ist.

Später war ich erstaunt, dass David Hockney das, was ich mit meinem unbeholfenen Satz meinte, in einem Interview in eigenen Worten ähnlich ausdrückte. Er sagte: "Ich bin Maler. Ich mache Bilder, das ist etwas anderes als Kunst." Ich wusste sofort, was er damit meinte. Bilder transportieren nicht nur die Atmosphäre, oder die Gegenstände, die durch die Malerei sichtbar werden sondern sie präsentieren auch die Malerei selbst. Die Art wie der Pinsel geführt wird, wie die Farben miteinander korrespondieren, wie sich Licht und Schatten bilden, das lässt sich, unabhängig vom Inhalt des Bildes, auch rein sinnlich wahrnehmen und aufnehmen.

Für mich ist die Malerei eine besondere Sprache, deren Worte immer wieder neu formuliert und gesucht werden müssen. Man kann einen Gegenstand mit Bedeutung füllen und ihn z.B. in einer Installation präsentieren, wo er eine bestimmte Geschichte oder Funktion repräsentiert. Auch das ist selbstverständlich eine Art Sprache. Ich empfinde sie allerdings als beliebiger, austauschbarer, auch intellektueller, weil Ideen oder in gewisser Weise manchmal auch Logik im Vordergrund stehen.

Was mir bei solchen "Distanztechniken" fehlt ist die Spur, die die Hand hinterlässt. Die Spur zeigt doch immer einen Ausschnitt von Zeit und gelebtes Leben. Jeder Pinselstrich bedeutet eine sichtbare Entscheidung, die getroffen worden ist. Und aus vielen Entscheidungen, die sich im Malprozesses summieren, formuliert sich das Bild, dass die Wahrnehmung dessen wiedergibt, was der/die Maler*in transportieren möchte. Die Hand, manchmal auch der ganze Körper, ist ganz entscheidend hierfür, es ist das Werkzeug, das die größte Nähe herstellt. Das kann keine Kamera leisten, deren technischen Möglichkeiten u.a. von der Leistung des Apparates abhängig ist.

Es gibt natürlich großartige Fotografien, Videoinstallationen etc. Aber als Kunstform begreife ich die Malerei als ein Medium, dass den Menschen in den Vordergrund stellt auch, wenn das Bild ungegenständlich sein mag. Deshalb bin ich süchtig nach Stiften und Pinseln, sie sind die Schlüssel zu meinen Bildern, die mir meine Existenz beweisen.



Donnerstag, 29. Juni 2017

Nonsuch Records

Diese neue Entdeckung möchte ich euch meine heutige Entdeckung nicht vorenthalten:

Nonsuch - Records


Ihr findet dort Musikvideos als Appetizer, die ihr in keinen Charts findet!

Ich will hier zwar keinen Werbeblog betreiben, aber ausnahmsweise sage ich jetzt mal:
die Künstler*innen freuen sich bestimmt über eine Anerkennung durch den Kauf ihrer Musik - muss aber natürlich nicht  ;-

Mittwoch, 28. Juni 2017

Schafft die Kuratoren ab!

Stefan Heidenreich traut sich! Er sagt mit klaren Worten, warum es der Kunst, allem Anschein zum Trotz, heutzutage doch nicht so gut geht und warum das u. a. so ist. Sein Artikel spricht mir aus dem Herzen, denn jede*r Künstler*in, ob berühmt oder nicht hat es schon erlebt, die Ohnmacht einer geheimen Jury gegenüber, die den Bewerbern als objektiv und unparteiisch verkauft wird ... Die Insider glauben sowieso nicht daran, sie wissen, es wird gemauschelt und geschachert, von Objektivität keine Spur.

Viele Künstler*innen bewerben sich nur noch um Ausstellungen oder Preise, wenn sie mit mindestens einem Jurymitglied bekannt sind. Künstler*innen die sich für ein Leben außerhalb der Metropolen entschieden haben, haben wahrscheinlich gar keine Chance.

Ich kann den Artikel aus Copyrightgründen hier nicht posten, aber wen er interessiert, kommt über diesen Link an ihn heran:

Schafft die Kuratoren ab!

aus der Zeit Nr. 26, 2017


Und für alle die Gefallen finden an der kritischen Kunstkritik, gleich noch ein Artikel desselben Autors zur aktuellen documenta:

Im Tempel der Selbstgerechtigkeit

aus der Zeit Nr. 25, 2017

Dienstag, 27. Juni 2017

Endlich geht es weiter

mit der Arbeit im Atelier! Ich staune selbst, dass ich auch nach längerer Malpause nur den Pinsel in die Hand nehmen muss und los geht's! Das ist ein sehr beruhigendes Gefühl.




Zwischenbilanz - noch nicht ganz fertig!




Donnerstag, 22. Juni 2017

Cityscapes - die Stadt in der Malerei

Unter meinen, über viele Jahre gesammelten Kunstbüchern und Katalogen, befindet sich auch der Band zur Ausstellung "Stadtbilder. Berlin in der Malerei vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart".
Erstaunlich wie konstant das Thema in der Kunst bis heute geblieben ist.

Die fortwährende Aktualität lässt sich aber nicht nur an der Vielzahl von Ausstellungen und deren dazugehörigen Kompendien ablesen, heute bieten zahlreiche Internetplattformen, wie z.B. Pinterest, Flickr oder Instagram, weit mehr Einsichten in die gemalten Welten städtischen Lebens, als jemals zuvor.

Kürzlich habe ich auf einem dieser Wege den mir zuvor nicht bekannten, in England aber sehr geschätzten Maler George Shaw gefunden, von dessen Werken ich spontan begeistert war und dem ich mich sehr verwandt fühle. Auf YouTube äußert sich der Künstler in einem kurzen Video sehr sympathisch zu seiner Arbeit. George Shaw war 2011 Turner Preisträger.




Ich selbst suche seit meinem Studium an der Universität der Künste, Berlin, Mitte der 80er Jahre, die Unmittelbarkeit der Dinge in meiner Umgebung. Dabei spielte auch immer das Thema Stadt, Architektur eine Rolle. Was mich dazu veranlasst, demnächst die Bilder, die ich aus der Zeit noch besitze, einmal wieder vom Dachboden zu holen und mit meiner heutigen Auffassung dieses Themas zu vergleichen.

Im vergangenen Jahr entstand aus diesem Interesse, eine Reihe von gemalten Ansichten meiner Heimatstadt Altena. Was liegt also näher, da ich mein ganzes Leben in großen und kleinen Städten verbracht habe, die Stadt aus der ich komme genauso zu thematisieren, wie die Stadt, die ich anhand einer weit entfernten Webcam beobachten kann? Ich sehe diese Bilder und somit erlebe ich sie auch, ganz gleich, ob ich mich dort aufhalte oder mir meine Anwesenheit nur vorstelle.


Altena, Zum Kölschen Joe, 2016, Öl/Lwd., 50 x 60 cm


Altena, Immerhin, 2016, Öl/Lwd., 60 x 80 cm

2008 entdeckte ich die New Yorker Live-Webcam http://www.cnyclive.com. Ich war auf Anhieb fasziniert von der Möglichkeit, diese Kamera von meinem Standort in Deutschland aus, mit meinem Computer steuern zu können, zu zoomen, zu schwenken, das Leben auf der Kreuzung Christopher Street, Seventh Avenue auf meinem Computerbildschirm zu verfolgen. Auf diese Weise habe ich an die 5000 snapshots gespeichert, von denen ich ca. 80 Motive in Ölpastellbilder verwandelt habe - Snapshot Drawings.


Snapshot CNYC, 2010, Ölpastell/Acrylkarton


Snapshot CNYC, 2012, Ölpastell/Acrylkarton

Diese besondere Webcam war vorübergehend eingestellt worden, scheint nun wieder aktiv zu sein, wobei ich zwar die Seite aufrufen kann, mir aber offenbar ein Plug-in fehlt, um die Übertragenen Videos sehen zu können. Das Problem werde ich in nächster Zeit recherchieren und hoffentlich lösen, um mich wieder auf den Straßen von Greenwich Village tummeln zu können.

Nur mit Tübinger Ansichten tue ich mich immer noch schwer. Woran es liegt kann ich gar nicht genau beschreiben. Möglicherweise ist das Leben hier, zumindest oberflächlich betrachtet, zu beschaulich und geordnet, im Vergleich zu Berlin und Altena. Es gibt keine krassen Brüche im Stadtbild, das gediegen Bürgerliche scheint mir dominant zu sein. Insofern ist es eine künstlerische Herausforderung, die ich annehmen sollte.