Montag, 24. Juli 2017

Kunstzeitung Editorial 632

Es wird allerorten viel geschrieben über die Kunst und den Kunstmarkt, mehr oder weniger tendenziös, aber auf die Kunstzeitung möchte ich wirklich nicht verzichten! Die Artikel sind informativ, unabhängig, kritisch, oft erhellend und immer im Sinne der Kunst und nicht im Sinne des Marktes geschrieben. Zwei Dinge, die Künstler*innen und Kunstinteressierte voneinander zu trennen wissen sollten.

Sehr empfehlenswert für alle, die noch daran glauben, dass ein bedeutendes Kunstwerk auch an einem bedeutenden Preis zu erkennen ist, ist das Editorial zur 632 sten Ausgabe der Zeitung, in dem Karl-Heinz Schmid über den Zustand des aktuellen Kunstmarktes berichtet! Hier der direkte Link zu dem Artikel:
http://lindinger-schmid.de/informationsdienst-kunst/
(evtl. auf der Seite etwas weiter herunter scrollen)

Übrigens liegt die aktuelle Ausgabe der Kunstzeitung jeden Monat kostenlos in der Galerie des Tübinger Künstlerbunds, zur Abholung bereit. Ich bin oft am Donnerstagnachmittag, zu den Öffnungszeiten zwischen 15 und 18 Uhr dort anzutreffen und freue mich immer über freundliche und interessierte Besucher unserer Ausstellungen.


Donnerstag, 20. Juli 2017

Bildschmerzen

Kürzlich machte ich einen Besuch in der Crona Klinik in Tübingen und stieß in einem stark frequentierten Wartebereich erfreulicherweise auf zwei eindrucksvolle Bilder von Gerda Brodbeck, aus den Jahren 1989, ca. 4 x 4 m groß. Solch sensible und dennoch wuchtige Gemälde erzeugen natürlich Wirkung bei mir und vermitteln mir darüber hinaus etwas Vertrautes in fremder Umgebung.

Beim Nähertreten hätte ich allerdings weinen mögen! Abgesehen von Dellen und Abschürfungen, befanden sich am unteren Rahmen große Risse in der Leinwand. Wozu, fragte ich mich, kauft die Klinik für einen sicherlich recht hohen Betrag wundervolle Kunstwerke und geht dann damit um, als seien es beliebige Einrichtungsgegenstände, die ersetzbar sind? Hätte da nicht auch noch eine kleine Sicherheitsvorrichtung drin sein müssen, um sie vor Beschädigungen durch der Transport der Betten in den Fluren zu schützen? Wann werden die Bilder dermaßen zerstört sein, dass sie womöglich noch auf dem Müll landen? Ein beschädigtes Bild kann seine Wirkung nicht mehr entfalten, da die Schäden sich in den Vordergrund drängen und den Gesamteindruck stören.







Sicherlich, Leib und Leben der Patienten gehen selbstverständlich vor, dennoch frage ich mich, ob die Gleichgültigkeit den Bildern gegenüber nicht auch etwas darüber aussagt, wie mit den Menschen verfahren wird. Ins Krankenhaus geht man in der Regel ja durchaus, weil es Beschädigungen des Körpers gibt, die dort möglichst geheilt werden sollen. Ist es daher für die Heilenden nicht notwendig die Sinne in alle Richtungen zu schärfen, um erfolgreich zu sein? Zu solch einem umfassend geschulten Arzt und ein solches Personal hätte ich bei Weitem mehr Vertrauen. Aber vielleicht sehe ich das zu wenig pragmatisch?

Ich nehme mir jetzt vor die Klinikleitung zu kontaktieren und auf diese Bilder anzusprechen. Vielleicht kann ich ja eine Restaurierung und entsprechenden Schutz anregen. Über das Ergebnis werde ich hier berichten.

Samstag, 15. Juli 2017

Uncreative Writing

Heute schon wieder! Das Thema, das ich vor wenigen Tagen in meinem Post "Vorbilder" angerissen habe, scheint tatsächlich ziemlich aktuell zu sein. Vorhin hörte ich zufällig im Deutschlandfunk Kultur, in der Sendung Breitband, ein Interview mit dem New Yorker Dichter und Literaturprofessor Kenneth Goldsmith 

unter dem Titel: Uncreative Writing, "Eine Hymne an das Plagiat und die Replikation"

Insofern für mich interessant, weil er meine Ansicht, die ich mit dem Satz "Kunst kommt von Kunst" so lapidar definiere, mit reflektierteren Gedanken erweitert. Seine Theorie beschränkt sich zwar auf das Schreiben - und ich finde es bei weitem nicht unkreativ, was er da tut oder lehrt - sie lässt sich aber auch locker auf jede andere Kunstform übertragen.

Letztlich geht es im Kern um den Geniebegriff, an den unsere Kultur doch immer noch so gerne glauben möchte, fast wie an ein religiöses, Mensch gewordenes Wunder. Wenn ich an das Geniale glauben kann, muss der Mensch, also auch ich, doch etwas Besonderes sein, oder?

Aber gerade heute, strömen dermaßen viele und oft ununterscheidbare Ideen und Gedanke auf jeden ein, dass diese Gedanken- und Ideenwelt wie eine große Energie in jedem gespeichert wird. Ich finde mich in vielen Dingen wieder und empfinde mich als Teil des Ganzen. Und ich finde das großartig! Was ich dann selbst damit anfange, was daraus entsteht beruht immer noch auf meinen eigens getroffenen Entscheidungen. Hoffe ich doch ;-)

Freitag, 14. Juli 2017

Studie

Ich habe die Ölkreiden wiederentdeckt, was mich dazu animiert damit kleine Studien anzufertigen.


23,5 x 30,5 cm

Donnerstag, 13. Juli 2017

Authentizität

Darum geht es doch beim Malen und Zeichnen, oder? Ich will Bilder machen, die mir etwas über mich und die Welt um mich herum erzählen. Ohne Schnickschnack und Gefälligkeiten. Das ist nicht so einfach, denn schließlich geht es um nichts weniger als die Wahrheit, die ans Licht kommen soll, worin auch immer sie bestehen mag.

Nun ist die Wahrheit, die ich selbst nur ahnen, bzw. interpretieren kann, eben nicht immer schön oder angenehm. Und es scheint von Vorteil zu sein, mir eine gewisse Distanz zu bewahren, um ein halbwegs echtes, authentisches Ergebnis zu bekommen. Bloß keine Selbstverliebtheit! Das fällt nach 40 Jahren Malerei inzwischen schon leichter.

Dabei bleibe ich gerne stur, denn ich will mich dem Bild nicht unterordnen. Ich fechte das Ergebnis so lange aus, bis sich etwas zeigt, dass bis dahin nicht greifbar war, die Bestätigung einer Ahnung vielleicht. Etwas, dass der dargestellte Gegenstand über sich selbst hinaus repräsentiert. Dieser Prozess kann schon mal zwei Jahre dauern, aber Zeit spielt ja nicht wirklich eine Rolle, oder nur insofern, als sie ohne mein bewusstes Zutun wirksam ist. Wie beruhigend.



Mittwoch, 12. Juli 2017

BR2 - Ich bin ein Kopist

Ich höre gerne. Und ich höre sehr gerne Podcasts. Und es ist ein schöner Zufall, dass ich heute den Podcast von BR2 "Nachtstudio" mit dem Titel "Ich bin ein Kopist" entdeckt habe, der auf sehr unterhaltsame und erhellende Weise das Thema aufgreift, dass ich in meinem vorhergehenden Post "Vorbilder" ganz rudimentär aufgegriffen habe.

Hier ist der Link zur Sendung zum Nachhören, ich wünsche viel Vergnügen ;-

Ich bin ein Kopist

Montag, 10. Juli 2017

Vorbilder

Die Begeisterung für die Kunst hat für mich damit begonnen, dass ich Bilder entdeckt habe, die einen tiefen Eindruck hinterlassen haben. Ich wollte mehr davon, denn eine wunderbare Welt tat sich für mich auf, als ich ungefähr 10 oder 11 Jahre alt war.

Geweckt wurde mein Interesse nicht etwa im Elternhaus oder in der Schule, sondern das Fernsehen war für mich damals das Tor zur Welt. In den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts nahm das Deutsche Fernsehen seinen Bildungsauftrag noch sehr ernst. Es gab, neben Furie und Flipper, moderne Kunst zu sehen, z.B. die automatischen Zeichnungen und Malereien von Wols, ein seitdem von mir verehrter Künstler. Es gab kritisches Theater, Brechts "Kreidekreis", den ich damals zwar kaum verstand, der mich aber intuitiv fesselte und Jazz! Regelmäßig habe ich eingeschaltet, wenn Leonhard Fethers die Größen der amerikanischen Musik vorstellte. Das Fernsehen war die Rettung für mich, denn in meiner Heimatstadt Altena war damals bezüglich Kunst und Kultur Land unter.

Ich will aber eigentlich auf etwas anderes hinaus, auf Vorbilder! Ohne diese Begeisterung für Werke anderer Künstlerinnen und Künstler, können keine eigenen Bilder entstehen.

Oft beginne ich meinen Unterricht mit Besprechungen der Werke berühmter, aber auch wenig bekannter Künstler und bin immer wieder überrascht, dass sich oft mehr oder weniger deutliche Hinweise zu anderen Werken und Künstlern darin finden lassen. Ich denke, so entsteht Kunst, durch Speichern und Übertragen dessen, was den eigenen Vorstellungen nahe kommt, was der Persönlichkeit, dem Temperament und der Absicht einer Künstlerin, eines Künstlers entspricht. Das hat nichts mit Kopieren oder Nachahmen zu tun. Was ich meine, ist eher ein Fortschreiben mit eigenen Mitteln, die Entwicklung eines Konglomerats aus Gesehenem, Gelerntem und Eigenem, woraus sich das Neue ergibt.

Picasso soll sich viele Ideen bei Besuchen in den Ateliers seine Künstlerkollegen geholt haben. Der Begriff "stehlen" trifft es für mich nicht, denn es geht um Inspiration und die ergibt sich oft im Betrachten von Kunstwerken. Ob eine Ausstellung gut ist, messe ich manchmal daran, wie sehr es mich anschließend drängt, selbst im Atelier zu arbeiten. Wenn die Lust, gleich den Stift oder den Pinsel in die Hand zu nehmen, unbändig ist, war es eine hervorragende Ausstellung! 

Wer selber malen oder zeichnen will, sollte unbedingt Kunst betrachten. Ohne diese Anregungen ergeben sich kaum Vorstellungen über die Möglichkeiten, die anschließend selbst erfahren und entwickelt werden können. Kunst kommt von Kunst, das Können ergibt sich später.

Skizze: Licht auf dem Tübinger Stadtfriedhof, Kohlezeichnung, Juli 2017

Kein Vergleich! Vielleicht eine Verbindung....

Caspar David Friedrich




Mittwoch, 5. Juli 2017

Malerei ist anders als Kunst

Vor einigen Jahren sagte ich einmal zu einem Künstler, dass ich glaube, dass Malerei nichts mit Kunst zu tun hat. Klingt merkwürdig? Ist es aber im Grunde nicht, denn die Malerei hat die Fähigkeit, sich über ihr eigenes Medium selbst darzustellen. Vielleicht vergleichbar mit der Musik, bei der die Töne sich zu einem Ganzen formen und letztlich darüber eine Wirkung erzeugen, die mit nichts vergleichbar ist.

Später war ich erstaunt, dass David Hockney das, was ich mit meinem unbeholfenen Satz meinte, in einem Interview in eigenen Worten ähnlich ausdrückte. Er sagte: "Ich bin Maler. Ich mache Bilder, das ist etwas anderes als Kunst." Ich wusste sofort, was er damit meinte. Bilder transportieren nicht nur die Atmosphäre, oder die Gegenstände, die durch die Malerei sichtbar werden sondern sie präsentieren auch die Malerei selbst. Die Art wie der Pinsel geführt wird, wie die Farben miteinander korrespondieren, wie sich Licht und Schatten bilden, das lässt sich, unabhängig vom Inhalt des Bildes, auch rein sinnlich wahrnehmen und aufnehmen.

Für mich ist die Malerei eine besondere Sprache, deren Worte immer wieder neu formuliert und gesucht werden müssen. Man kann einen Gegenstand mit Bedeutung füllen und ihn z.B. in einer Installation präsentieren, wo er eine bestimmte Geschichte oder Funktion repräsentiert. Auch das ist selbstverständlich eine Art Sprache. Ich empfinde sie allerdings als beliebiger, austauschbarer, auch intellektueller, weil Ideen oder in gewisser Weise manchmal auch Logik im Vordergrund stehen.

Was mir bei solchen "Distanztechniken" fehlt ist die Spur, die die Hand hinterlässt. Die Spur zeigt doch immer einen Ausschnitt von Zeit und gelebtes Leben. Jeder Pinselstrich bedeutet eine sichtbare Entscheidung, die getroffen worden ist. Und aus vielen Entscheidungen, die sich im Malprozesses summieren, formuliert sich das Bild, dass die Wahrnehmung dessen wiedergibt, was der/die Maler*in transportieren möchte. Die Hand, manchmal auch der ganze Körper, ist ganz entscheidend hierfür, es ist das Werkzeug, das die größte Nähe herstellt. Das kann keine Kamera leisten, deren technischen Möglichkeiten u.a. von der Leistung des Apparates abhängig ist.

Es gibt natürlich großartige Fotografien, Videoinstallationen etc. Aber als Kunstform begreife ich die Malerei als ein Medium, dass den Menschen in den Vordergrund stellt auch, wenn das Bild ungegenständlich sein mag. Deshalb bin ich süchtig nach Stiften und Pinseln, sie sind die Schlüssel zu meinen Bildern, die mir meine Existenz beweisen.



Donnerstag, 29. Juni 2017

Nonsuch Records

Diese neue Entdeckung möchte ich euch meine heutige Entdeckung nicht vorenthalten:

Nonsuch - Records


Ihr findet dort Musikvideos als Appetizer, die ihr in keinen Charts findet!

Ich will hier zwar keinen Werbeblog betreiben, aber ausnahmsweise sage ich jetzt mal:
die Künstler*innen freuen sich bestimmt über eine Anerkennung durch den Kauf ihrer Musik - muss aber natürlich nicht  ;-

Mittwoch, 28. Juni 2017

Schafft die Kuratoren ab!

Stefan Heidenreich traut sich! Er sagt mit klaren Worten, warum es der Kunst, allem Anschein zum Trotz, heutzutage doch nicht so gut geht und warum das u. a. so ist. Sein Artikel spricht mir aus dem Herzen, denn jede*r Künstler*in, ob berühmt oder nicht hat es schon erlebt, die Ohnmacht einer geheimen Jury gegenüber, die den Bewerbern als objektiv und unparteiisch verkauft wird ... Die Insider glauben sowieso nicht daran, sie wissen, es wird gemauschelt und geschachert, von Objektivität keine Spur.

Viele Künstler*innen bewerben sich nur noch um Ausstellungen oder Preise, wenn sie mit mindestens einem Jurymitglied bekannt sind. Künstler*innen die sich für ein Leben außerhalb der Metropolen entschieden haben, haben wahrscheinlich gar keine Chance.

Ich kann den Artikel aus Copyrightgründen hier nicht posten, aber wen er interessiert, kommt über diesen Link an ihn heran:

Schafft die Kuratoren ab!

aus der Zeit Nr. 26, 2017


Und für alle die Gefallen finden an der kritischen Kunstkritik, gleich noch ein Artikel desselben Autors zur aktuellen documenta:

Im Tempel der Selbstgerechtigkeit

aus der Zeit Nr. 25, 2017

Dienstag, 27. Juni 2017

Endlich geht es weiter

mit der Arbeit im Atelier! Ich staune selbst, dass ich auch nach längerer Malpause nur den Pinsel in die Hand nehmen muss und los geht's! Das ist ein sehr beruhigendes Gefühl.




Zwischenbilanz - noch nicht ganz fertig!




Donnerstag, 22. Juni 2017

Cityscapes - die Stadt in der Malerei

Unter meinen, über viele Jahre gesammelten Kunstbüchern und Katalogen, befindet sich auch der Band zur Ausstellung "Stadtbilder. Berlin in der Malerei vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart".
Erstaunlich wie konstant das Thema in der Kunst bis heute geblieben ist.

Die fortwährende Aktualität lässt sich aber nicht nur an der Vielzahl von Ausstellungen und deren dazugehörigen Kompendien ablesen, heute bieten zahlreiche Internetplattformen, wie z.B. Pinterest, Flickr oder Instagram, weit mehr Einsichten in die gemalten Welten städtischen Lebens, als jemals zuvor.

Kürzlich habe ich auf einem dieser Wege den mir zuvor nicht bekannten, in England aber sehr geschätzten Maler George Shaw gefunden, von dessen Werken ich spontan begeistert war und dem ich mich sehr verwandt fühle. Auf YouTube äußert sich der Künstler in einem kurzen Video sehr sympathisch zu seiner Arbeit. George Shaw war 2011 Turner Preisträger.




Ich selbst suche seit meinem Studium an der Universität der Künste, Berlin, Mitte der 80er Jahre, die Unmittelbarkeit der Dinge in meiner Umgebung. Dabei spielte auch immer das Thema Stadt, Architektur eine Rolle. Was mich dazu veranlasst, demnächst die Bilder, die ich aus der Zeit noch besitze, einmal wieder vom Dachboden zu holen und mit meiner heutigen Auffassung dieses Themas zu vergleichen.

Im vergangenen Jahr entstand aus diesem Interesse, eine Reihe von gemalten Ansichten meiner Heimatstadt Altena. Was liegt also näher, da ich mein ganzes Leben in großen und kleinen Städten verbracht habe, die Stadt aus der ich komme genauso zu thematisieren, wie die Stadt, die ich anhand einer weit entfernten Webcam beobachten kann? Ich sehe diese Bilder und somit erlebe ich sie auch, ganz gleich, ob ich mich dort aufhalte oder mir meine Anwesenheit nur vorstelle.


Altena, Zum Kölschen Joe, 2016, Öl/Lwd., 50 x 60 cm


Altena, Immerhin, 2016, Öl/Lwd., 60 x 80 cm

2008 entdeckte ich die New Yorker Live-Webcam http://www.cnyclive.com. Ich war auf Anhieb fasziniert von der Möglichkeit, diese Kamera von meinem Standort in Deutschland aus, mit meinem Computer steuern zu können, zu zoomen, zu schwenken, das Leben auf der Kreuzung Christopher Street, Seventh Avenue auf meinem Computerbildschirm zu verfolgen. Auf diese Weise habe ich an die 5000 snapshots gespeichert, von denen ich ca. 80 Motive in Ölpastellbilder verwandelt habe - Snapshot Drawings.


Snapshot CNYC, 2010, Ölpastell/Acrylkarton


Snapshot CNYC, 2012, Ölpastell/Acrylkarton

Diese besondere Webcam war vorübergehend eingestellt worden, scheint nun wieder aktiv zu sein, wobei ich zwar die Seite aufrufen kann, mir aber offenbar ein Plug-in fehlt, um die Übertragenen Videos sehen zu können. Das Problem werde ich in nächster Zeit recherchieren und hoffentlich lösen, um mich wieder auf den Straßen von Greenwich Village tummeln zu können.

Nur mit Tübinger Ansichten tue ich mich immer noch schwer. Woran es liegt kann ich gar nicht genau beschreiben. Möglicherweise ist das Leben hier, zumindest oberflächlich betrachtet, zu beschaulich und geordnet, im Vergleich zu Berlin und Altena. Es gibt keine krassen Brüche im Stadtbild, das gediegen Bürgerliche scheint mir dominant zu sein. Insofern ist es eine künstlerische Herausforderung, die ich annehmen sollte.





Sonntag, 18. Juni 2017

Mit dem Zeicheninstitut auf dem Tübinger Stadtfriedhof

Es ist heiß in Tübingen und unter dem Glasdach des Zeicheninstituts ist es nochmal bedeutet heißer! Am Freitagnachmittag bin ich daher mit den Student*innen, auf den nahegelegenen Tübinger Stadtfriedhof umgezogen. Ich bin froh über diese Möglichkeit, bietet sie den Studentinnen doch die einmalige Erfahrung "Plein Air" zu malen, Licht und Schatten, verschiedene Grüntöne, Vegetation in Verbindung mit kulturellen Artefakten an Ort und Stelle wahrzunehmen und dies unmittelbar im Bild festzuhalten.

In knapp zweieinhalb Stunden kann kaum ein Bild "fertig" werden, aber darum geht es nicht. Es ist die Einmaligkeit der Erfahrung, die so ganz anders ist, als die Arbeit an einem Schreibtisch oder in einer Bibliothek. Die Kürze der Zeit erfordert außerdem eine schnelle Entscheidung für die Wahl eines Motivs, dass man für bildwürdig hält.

Ich selbst fand Zeit für zwei kleine Kohleskizzen und ein paar Fotos.






Donnerstag, 15. Juni 2017

Montag, 12. Juni 2017

Fallen - die ersten vier Stadien

Endlich! Die Arbeit geht voran. Für meinen Beitrag, zur Ausstellung des Künstlerbund Tübingen in Kooperation mit dem Ugge Bärtle Museum, habe ich ein vages Konzept entwickelt, das es mir erlaubt, den Arbeitsprozesses und damit das Ergebnis, offen zu halten. Ich reagiere darauf, was das Format (124,5 x 460 cm) und das Medium (Kohle, Tusche und Wandfarbe) mir anbieten.

Die expressive Gestik der Tafeln entspricht nicht dem Ausdruck, den ich üblicherweise in meinen Bildern anwende. Aber es macht einen großen Unterschied, ob ich Stadtansichten mit statischen Gebäuden oder sich wild gebärdende Pferde darstelle. Ich bin der Ansicht, dass ein expressives Thema unbedingt auch einer entsprechenden Form bedarf. 

Die Spontaneität des Zeichen- und Pinselstrichs, der die wilden Pferde zum Leben erweckt und sich von ihrem Reiter befreien lassen, erlebe ich selbst als befreiend. Wirf den Ballast ab, den Reiter, der dich Jahrtausende lang gezwungen hat Dinge wider deine Natur zu tun! Das Pferd als Mythos der Freiheit, wird verehrt und bewundert, als domestiziertes Lebewesen führt es ein fremdbestimmtes und unnatürliches Leben, dass sich oft nur aufgrund von schmerzhaftem Zwang dem Menschen beugt.

Fakt ist, ohne das Pferd, gäbe es unsere Kultur, so wie sie sich entwickelt hat nicht. Erst seit es Maschinen gibt, hat das Pferd ausgedient und wenn es sich nicht für für den Sport und als Freizeitobjekt eignen würde, wäre es wohl nur noch im Zoo zu bewundern. Die Bedingungen für einen natürlichen Lebensraum, den ein solch sensibles und komplexes Wesen wie das Pferd benötigt, kann unsere Kultur kaum mehr bieten. 

Ein spannendes Thema also, dass kulturgeschichtlich von besonderem Interesse ist, wie das Buch "Das letzte Jahrhundert er Pferde", von Ulrich Raulff, 2016 in 6. Auflage im C.H. Beck Verlag erschienen, zeigt. Es lohnt sich es zu lesen, da es historische und gesellschaftliche Zusammenhänge neu beleuchtet.
Hier zwei Sätze aus der Buchbeschreibung des C.H. Beck Verlags: 
Der Exodus des Pferdes aus der Menschengeschichte ist ein erstaunlich unbeachteter Vorgang. Ganze Bibliotheken zur Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts schweigen sich aus über das Pferd, das gleichwohl in Europa und Amerika allgegenwärtig war – bis das letzte Jahrhundert der Pferde in der Zeit Napoleons anbricht und mit dem Ersten Weltkrieg ausklingt. 

Samstag, 10. Juni 2017

Mein Flickr!

Es ist inzwischen 8 Jahre her, dass ich Mitglied in der Fotocommunity Flickr geworden bin und es vergeht kein Tag, an dem ich nicht mindestens einmal die App öffne, um zu schauen, was andere Mitglieder an neuen Zeichnungen, Malereien und Fotos veröffentlicht haben.

In meinem Pool habe ich inzwischen 607 Fotograf*innen und Künstler*innen versammelt, deren Follower ich geworden bin, während ich selbst bisher 458 Follower gewonnen habe. In meiner Statistik steht, dass sich derzeit insgesamt 1035 Bilder in meinem Account befinden und alle Bilder zusammen genommen 342978 angeschaut worden sind! Das ist weit mehr, als ich mit Ausstellungen in einem ganzen Leben je erreichen könnte!

10291 Bilder, die mich in irgendeiner Weise besonders angesprochen haben, habe ich selbst in meinem Favoritenalbum gesammelt. Leider kann ich die aller ersten nur noch anschauen, wenn ich viel Zeit aufbringe um ganz an den Anfang herunter zu scrollen. Das ist der einzige Kritikpunkt, den ich an Flickr habe, dass es für die gesammelten Favorites keine Timeline gibt.

Über den Austausch via Favorites und Kommentaren haben sich zu einigen Flickr Mitgliedern sogar entfernte Freundschaften aus dem gegenseitigen Interesse heraus entwickelt, mit einigen wenigen tatsächlich auch im echten Leben. Die meisten habe ich übrigens über die Urban Sketchers gefunden, manche werden aufgrund der eigenen Auswahl auch von Flickr vorgeschlagen.

Ihr seht schon, Flickr ist nicht nur ein Zeitvertreib. Es ist eine großartige Möglichkeit, die Arbeiten so vieler hervorragender Künstler*innen weltweit betrachten zu können, die ich sonst wahrscheinlich niemals kennen gelernt hätte.

Vorgestern wurde ich von Flickr zum ersten Mal eingeladen eins meiner Bilder, "Leitung 1", (siehe den Post vom 08.06.17) zum Explore Pool hinzuzufügen. Das ist tatsächlich ein kleines Ereignis nicht nur, weil mein Bild aufgrund eines geheimen Algorithmus aus der Flut von Millionen von Bildern unter die 500 besten Fotos für den Tag gewählt wurde, sondern auch, weil ich noch nie ein gemaltes oder gezeichnetes Bild in diesem Pool gesehen habe! Das ist zwar bedauerlich, aber aufgrund Flickr's vorwiegenden Interesses an der Fotografie nachvollziehbar.

Meine Pastellzeichnung wurde innerhalb der zwei Tage 7547 mal angeschaut und hat bis jetzt 138 Favoriten gesammelt!

Wie wunderbar wäre es, wenn so viele Besucher meine Ausstellungen anschauen würden ...





Donnerstag, 8. Juni 2017

Kreiden wiederentdeckt

Gestern und vorgestern habe ich mich von dem Bild - "Chefsessel" - eines Flickr Fotografen namens Rüdiger inspirieren lassen. Ich habe dazu überwiegend die neuen Charcoal Blöcke von Derwent und Pastellkreide verwendet.

Manche Fotos wecken die Lust, mich mit Farben, Stiften, Pinseln in eine Situation hineinzuversetzen, ganz so, als wäre ich selbst vor Ort.








Montag, 5. Juni 2017

Christopher Gallego

Bei meinen Recherchen, um Bildbeispiele für meine Kunstkurse zu finden, sind mir die stillen, auf alltägliche Situationen konzentrierten Bilder des amerikanischen Malers Christopher Gallego schon des öfteren aufgefallen. Sie sind mir nicht nur vom Sujet her nah, sondern inzwischen habe ich auch seine Texte zu schätzen gelernt in denen er, nicht nur seinen Zugang zur Malerei sehr präzise formuliert, sondern auch seine Unterrichtsmethode als Lehrer an verschiedenen Institution in New York beschreibt.

Ich habe mich sehr gefreut, in seinem Blog genau das geschildert zu finden, was mir selbst in meinen Kursen wichtig ist und ich kann ihm nur absolut zustimmen.

Meine Empfehlung für heute also: unbedingt lesen und Christopher Gallegos Bilder anschauen!

https://chrisgallego.wordpress.com/category/blog-posts/


























Christopher Gallego, Small Studio Jar, 2008, oil on board, 13 x 8 inch

Samstag, 3. Juni 2017

Im Garten

Das Pfingstwochenende steht bevor und in unserem Viertel ist schon spürbar Ruhe eingekehrt. Da lässt sich auch der Garten wieder mehr genießen. Ich weiß nicht, wie oft ich schon dort gesessen und gezeichnet habe. Eigentlich gibt es nicht viel mehr zu sehen, als Pflanzen, Steine, Blumentöpfe. Eigentlich ziemlich langweilig.

Hier zeigt sich aber mal wieder: nicht das Motiv ist wichtig, sondern das, was draus entsteht.




























Donnerstag, 1. Juni 2017

Fallen - Experimente

Weitere Vorstudien zum Thema "Fallen", meinem Beitrag zur Kooperation des Künstlerbunds Tübingen mit dem Ugge Bärtle Museum, sind gestern entstanden.

Der Wechsel des Mediums spielt bei der Entdeckung neuer Möglichkeiten eine bedeutende Rolle. Ein anderes Papier, eine andere Zeichentusche, ein anderer Umgang mit dem Gewohnten, können zu ganz neuen Ergebnissen führen. Flüssige Zeichentuschen setzen andere Formen und Spuren, als feste Kreiden, dann wieder ergibt sich eine Kombination aus verschiedenen Materialien.

Das Spiel ist das Training für das Leben.














Montag, 29. Mai 2017

Urban Sketching erklärt

Den Link zu dem Artikel

Kreativ-Trend Urban Sketching
Mein Bild der Welt

aus Spiegel online, vom 26. 05. 2016, geschrieben von Antje Blinda, möchte ich allen empfehlen, die schon immer wissen wollten, was das Urban Sketchen eigentlich ist ;-
Unbedingt lesen und auch das Video gucken!

Fotoreferenzen für eigene Bilder verwenden

Zwar ist das Malen und Zeichnen vor Ort, "Plein Air" sozusagen, wieder sehr im Kommen, die Ideenfindungen der meisten Maler*innen lassen sich aber doch eher von anderen Quellen inspirieren, wobei häufig Fotoreferenzen verwendet werden.

Auch wenn ich in meinem Unterricht, viel Wert darauf lege, anhand von realen Dingen das Sehen zu schulen - Licht und Schatten, Räumlichkeit, etc. - bietet die Arbeit mit Fotovorlagen vielfältigere Möglichkeiten Bildideen realisieren zu können.

Dabei geht es um die Frage, wie weit ich mich von der Bildvorlage lösen kann oder will. Die Herausforderung kann darin bestehen, den Malprozess selbst in den Mittelpunkt zu stellen, sich von dem Farbauftrag, der Pinselspur treiben und inspirieren zu lassen, Kontrolle und Erwartungen weitgehend abzulegen.

Anlass zu diesen Überlegungen gab heute Morgen die Arbeit einer Kursteilnehmerin, die als Vorlage für ihr Bild aus der vorherigen Woche, eine Abbildung aus einer Zeitung verwendet hat. Damals schien das Ergebnis noch nicht zufriedenstellend gewesen zu sein, weil es sehr wenig Übereinstimmung mit der Fotovorlage gab. Heute, mit dem Abstand von sieben Tagen und ohne das Referenzbild, entstand ein ganz anderer Eindruck. Die Malerei wirkte frisch und eigenständig, die Bildsprache konnte klarer wahrgenommen werden.

Dieses Beispiel passte daher sehr gut zu einer Bildbesprechung zum Thema "Landschaftsmalerei",  wozu ich anhand von Katalogen über den japanischen Maler Kimura, hin zu den Bildern Per Kirkeby's, über Klaus Fußmann's Malerei, meinen ehemaligen Professor an der Universität der Künste Berlin, einen Bogen schlug, um schließlich bei Turner's Aquarellen seiner Reisen entlang des Rheins zu landen.

Ein kleiner Ausschnitt von sehr unterschiedlichen Möglichkeiten der Malerei also. Wobei die erkennbare Landschaft mal mehr, mal weniger deutlich dargestellt ist und die Bilderfindung von der tatsächlich gesehenen Landschaft weit abrücken darf, um der Bildgestaltung und der malerischen Sprache selbst Raum zu geben.

Die Bilder des japanischen Malers Kimura, der lange Zeit in Paris lebte, haben mich während meines Studiums sehr inspiriert. Die Phillips Collection, Washington, D.C. hat 1985, begleitend zu seiner dortigen Ausstellung "Kimura, Paintings and Works on paper 1968 - 1984", einen Katalog herausgegeben. Kimura ist inzwischen gestorben und leider habe ich im Netz nichts weiter über ihn gefunden, weshalb ich davon ausgehe, dass ihn wohl heute niemand mehr kennt.

Samstag, 27. Mai 2017

Munter drauf los

Die Woche war relativ anstrengend, da ist es sehr entspannend heute einfache Mittel, wie Tusche, Feder oder Pinselfüller, in die Hand zu nehmen und zu spüren, wie die Umgebung ihre Spuren hinterlässt.